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WAZ: Die Chefin hat ein Problem - Kommentar von Thomas Wels

    Essen (ots) - Geschieden und wieder verheiratet, kinderlos, protestantisch und aus Ostdeutschland: Den Konservativen in der Union war Angela Merkel schon immer fremd. Vor allem den Katholiken. Gegrummel gab es intern auch, erst recht nach Merkels Papst-Kritik. Nach außen blieb's ruhig, weil auch das ein bürgerlicher Charakterzug ist.

      Dass die Konservativen nun vor der Vorstandsklausur der CDU
öffentliche Kritik an der Parteichefin äußern, muss Merkel
alarmieren. Der Vorgang ist nicht einfach wegzumoderieren. Der Unmut
ist über viele Jahre gewachsen: Erst verprellte das
turbokapitalistische Leipziger Grundsatzprogramm den starken,
katholisch geprägten Sozialflügel; dann verunsicherten der
Linksschwenk und die Öffnung der Partei für großstädtisches Milieu,
junge Frauen und Arbeiter die werteorientierten Traditionalisten der
Partei. In der Merkel-CDU ist es kühler geworden, und mancher fragt
sich, was die Merkel-CDU überhaupt ist.

      Merkel, die Moderatorin, hat versäumt, die Parteiflügel auf ihrem
Weg mitzunehmen. Jetzt hat sie ein Problem. Das größere hat Jürgen
Rüttgers. Der will wiedergewählt werden. Die Leute aber mögen keinen
Streit.

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