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WAZ: Ein Urteil als Signal. Kommentar von Frank Stenglein

    Essen (ots) - Sie wollte leben wie es hier üblich ist: frei, selbstbestimmt und ohne den Machtanspruch einer rückständigen Kultur. Es war ihr nicht vergönnt. Gülsüm S., die junge Frau mit den strahlenden Augen und dem offenen Lachen, musste sterben, weil Vater und Bruder ihren Freiheitsdrang und Integrationswillen nicht ertrugen. Gefangen in einem Weltbild, in dem Männer herrschen und Frauen kuschen, mordeten sie lieber als zu dulden, dass Gülsüm in der neuen Heimat ankommt.

      Vor Jahren noch gewährte mancher deutsche Richter solchen Tätern
einen strafmindernden kulturellen Bonus, weil diese sich so
verhielten wie es in ihren Ursprungsländern üblich sei. Das war nicht
nur grotesk integrationsfeindlich, das kam einer teilweisen
Anerkennung des "Ehrenmord"-Motivs gleich, ein Wort, das zwingend
Anführungszeichen braucht.

      Ehre und Mord schließen sich aus - immer. Das haben die Richter
im Fall Gülsüm klar gestellt. Die Warnung an Machismo-Kulturen
türkischer oder anderer Spielart kommt hoffentlich an. Und auch die
Ermutigung an Migrantinnen, die sich oft viel freudiger integrieren
als ihre Brüder oder Väter, denen eine verquere "Ehre" im Weg steht.

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