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WAZ: Ins Leben geworfen. Kommentar von Christopher Onkelbach

    Essen (ots) - Es ist wahr: Jeder Mensch hat ein Recht darauf, seine Herkunft zu kennen. Seit Bestehen der Babyklappen wurden vermutlich 500 Kinder anonym ins Leben geworfen. Nie werden sie erfahren, wer ihre Eltern sind, warum sie nicht erwünscht waren und weshalb sie nicht in einer Familie aufwachsen durften. Dies bleibt eine Last, lebenslang.

      Doch zuerst gilt das Recht auf Leben. Denn warum, so muss man
fragen, soll ein Angebot aufgegeben werden, das einigen Müttern einen
Ausweg bietet? Denn tragischer als das Los der Findelkinder wäre es,
wenn nur eines hätte sterben müssen, weil es diese Möglichkeit nicht
gab. Die Statistik allerdings argumentiert dagegen. Die Zahl der
ausgesetzten oder tot aufgefundenen Neugeborenen sei trotz Babyklappe
nicht gesunken. Die Sorge des Ethikrates, das Angebot schaffe eine
Nachfrage, die es zuvor nicht gab, ist daher nicht von der Hand zu
weisen. Dennoch ist einer Mutter in Not oder Panik der Weg zur
Babyklappe sicher näher als zur nächsten Beratungsstelle.

      Die Debatte ist nicht beendet. Das Votum des Ethikrates war nötig
und wichtig, um kommenden Diskussionen Kontur und Richtung zu geben.

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