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WAZ: Guttenbergs Afghanistan-Politik - Leicht verdienter Beifall - Leitartikel von Dirk Hautkapp

    Essen (ots) - Karl-Theodor zu Guttenberg weiß, wie mit Worten Wirkung zu erzielen ist. Weil ihm hier niemand im Kabinett etwas vormacht, ist es leicht verdienter Beifall, den der CSU-Politiker mit seiner rhetorischen Klarstellung der Verhältnisse in Afghanistan einsammeln darf. Kriegsähnliche Zustände endlich kriegsähnliche Zustände zu nennen, wohlgemerkt: nicht Krieg, macht aber noch keinen guten Verteidigungsminister. Dazu braucht es, was Afghanistan angeht, mehr. Etwa eine schonungslose Debatte über Sinn und Notwendigkeit des Einsatzes, der in einer Vergeblichkeitsfalle zu versinken droht. Die Taliban - wieder obenauf. Die neue, alte Regierung Karsai - international schlecht beleumundet und labil. Die Amerikaner - uneins in der Frage, ob zehntausende zusätzliche Soldaten das Land doch noch befrieden können oder ein zweites Vietnam schaffen. Die deutsche Öffentlichkeit - mehrheitlich für den Abzug der Bundeswehr. In dieser Gemengelage sachlich darüber zu streiten, was Deutschland am Hindukusch (noch) erreichen will und kann und was es dafür zu investieren bereit ist, verlangt mehr Mut und Strategie als semantische Korrekturen. Abwarten, ob Guttenberg auch hier Beifall bekommt.

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