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WAZ: Schalker Zahlen, die nicht lügen. Kommentar von Reinhard Schüssler

    Essen (ots) - Wenn Kritiker eine Diskrepanz zwischen den Leistungen und der Punkte-Bilanz einer Mannschaft diagnostizieren, werden sie gewöhnlich mit der Binsenweisheit zurückgepfiffen: "Die Tabelle lügt nicht."

      Für Schalke 04 weist die Tabelle nach zehn Spielen Platz 4 mit 20
Punkten aus. Die einzige Zahl, die darüber hinaus bei Königsblau
derzeit unstrittig ist, betrifft jene 136,5 Millionen Euro Schulden,
die auf der Jahreshauptversammlung im Juni öffentlich gemacht worden
sind. Wobei die Höhe der Verbindlichkeiten eine weit geringere
Aussagekraft hat als die Zahl der Punkte. Sagt sie doch über das
wahre Ausmaß der von der Vereinsführung ja nicht bestrit-tenen
finanziellen Notlage wenig aus.

      Allerdings sieht sich der Revierklub, der traditionell in
Finanzdingen nicht als seriöseste Adresse gilt, seit Wochen in der
Öffentlichkeit mit immer neuen - meist spekulativen - Zahlen
konfrontiert, als deren drohende Folge Insolvenz bzw. Lizenzentzug
genannt werden. Beschuldigte pflegen in solchen Fällen gerne von
Medien-Kampagnen zu sprechen. Die Erfahrung - vorzugsweise aus
Politik und Wirtschaft - lehrt, dass bei allen großen Affären jeder
Verdacht solange zurückgewiesen wird, bis die Beweise erdrückend
sind. Auf der anderen Seite sollte dieser Reflex die Medien nicht zu
Nachlässigkeiten bei der Recherche verleiten bzw. zu blinden Eifer
verführen.

      Im Fall Schalke bleibt festzuhalten: Wie klamm der Klub wirklich
ist, wissen allein die Entscheidungsträger, demnächst wohl
(hoffentlich) auch die Deutsche Fußball-Liga. Bis heute entspricht
die Beweis- und Indizienlage jedenfalls nicht der Größe der
Schlagzeilen über den Verein, der wiederum zur Erhellung der wahren
finanziellen Verhältnisse wenig beiträgt. Der Einwand, zu große
Offenheit würde den Marktwert von Spielern in den Keller treiben, ist
zwar richtig; er rechtfertigt aber keine Haltung, die auf bloßes
Dementieren und Schweigen setzt.

      Um die Zukunft des Bundesligisten sicherzustellen, reicht es
nicht, es Felix Magath und seiner Elf zu überlassen, für die Wahrheit
auf dem Platz zu sorgen. Dafür müssen auch die finanziellen Zahlen
stimmen.

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