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WAZ: Tödliche Psychositzung - Kranke Seelen. Kommentar von Ulrich Schilling-Strack

    Essen (ots) - Die Seele ist ein besonderes Ding. Wenn sie erkrankt, sieht man das auf keinem Röntgenbild. Ein Beinbruch ist deshalb leichter zu heilen. Der psychisch Erkrankte, er quält sich durch einen Dschungel von Therapien, erhofft sich Hilfe vom erfahrenen Psychologen - und landete nicht selten beim Quacksalber. Wo es nichts zu sehen gibt, blüht der faule Zauber. Psychologen und Psychotherapeuten taten deshalb gut daran, im Schlaglicht der Tragödie in Berlin, wo bei einer Psychositzung zwei Menschen starben, eine scharfe Grenze zum Schattenreich der Scharlatane zu ziehen. Es gibt sie nämlich, die Therapien, die kranke Seelen gesunden lassen. Wie kann man sie erkennen? Vor allem daran: Bewährte Behandlungsmethoden verstecken sich nicht hinter verschwurbeltem Psycho-Gebabbel. Sie versprechen auch keine Erleuchtung durch Drogen. Sie fordern vom Patienten vielmehr hohen Einsatz, bedingungslose Bereitschaft, viel Zeit, noch mehr Kraft. Nicht jeder ist dazu in der Lage. Manchmal ist die Not so groß und die Seele so krank, dass die Flucht in die Arme des Scharlatans als letzter Ausweg erscheint.

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