Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Schreibers Auslieferung - Windiger Zeuge. Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Nein, natürlich ist der CDU-Parteispendenskandal nicht Schnee von gestern. SPD und Grüne werden dafür sorgen. Die Auslieferung von Karlheinz Schreiber kommt für sie zu einem günstigen Zeitpunkt. Es ist Wahlkampf in Deutschland. Der Drahtzieher der Affäre, die den Einheitskanzler 1999 belastete und die Unionsführung einer Grundreinigung unterwarf, ist gut fürs Aufwärmen ungeklärter Fragen, um die Konkurrenz zu quälen. Freilich: Der Kronzeuge ist windig. Karlheinz Schreiber hat schon vor dem Untersuchungsausschuss gerne Fantasie mit Wahrheit vermengt. Seine Einlassungen für die aktuelle Auseinandersetzung zu nutzen, kann also nach hinten losgehen: Sie könnten alte Wunden aufreißen, aber neue Antworten schuldig bleiben. Das würde die Politikverdrossenheit ausgerechnet vor der September-Wahl in die Höhe treiben. Langfristig ist die Aufarbeitung der Ungereimtheiten der ersten Einheits-Jahre tatsächlich fällig. Bei Milliarden-Privatisierungen ist viel im Dunkeln geblieben. "Die Sache stinkt", hat der verstorbene EU-Kommissar Karel van Miert zum Fall Leuna gesagt. Recht hatte er. Doch: Schreibers Anteil daran ist wohl mehr Schein als Sein. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-6528 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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