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WAZ: Die Qual der Opfer - Kommentar von Rolf Potthoff

    Essen (ots) - Er wurde gefragt, ob er ein Schuldbewusstsein habe oder so etwas wie Reue empfinde. Er gab zur Antwort: "Vor dem Hintergrund von unserem Kampf sind das keine Begriffe" - betoniert und uneinsichtig wie zu den schrecklichsten Zeiten des RAF-Terrorismus ist Christian Klar bis heute geblieben.

      Gewiss: Nach juristischen Maßstäben war kein Wort der Reue nötig,
um Klars Haftentlassung zu beschließen. Dieser Staat billigt ein
Vorgehen nach Recht und Gesetz selbst Terroristen zu, die diesen
Staat bekämpfen, ihn abschaffen wollen und dafür mehrfach zum Mörder
wurden. Rache kennt unser Rechtssystem nicht.

      Das akzeptieren auch die Menschen, die durch die RAF den Vater,
Bruder oder andere liebe Menschen verloren haben. Und doch bedeutet
die Freilassung für diese Hinterbliebenen die Fortsetzung einer
fortwährenden Tortur. Mit jeder Meldung über den RAF-Terrorismus
werden sie wieder mit ihrer familiären Tragödie konfrontiert. Dann
sind sie dem Schmerz und der Trauer ausgeliefert, die ihnen zugefügt
worden sind. Es sind Momente, in denen kein rechtsstaatlicher Gedanke
Trost zu spenden vermag.

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