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WAZ: "Der Baader-Meinhof-Komplex" - Keine Folklore. Kommentar von Gudrun Norbisrath

    Essen (ots) - Es liest sich alles sehr nachdenklich, sehr ehrenwert, was Bernd Eichinger über seinen Film sagt. Allerdings nur, wenn man nicht zu genau hinsieht. Er will Geschichte wahrheitsgemäß erzählen, aber spannend; Emotion wecken, ohne Identifikation zu schaffen; Brutalität zeigen, aber keine moralische Position beziehen? Wie soll das gehen? Die Rote Armee Fraktion war hoch gefährlich. Daraus lässt sich keine romantische Straßenräuber-Geschichte und kein folkloristischer Mafia-Krimi basteln. Deshalb war es ein gewagtes Spiel, Austs "Baader-Meinhof-Komplex" in Filmbilder umzusetzen. Sie wecken Gefühle, rücken nah an die Menschen heran und liefern Erklärungen für ihre Handlungen. Gerade daraus entsteht Spannung. Jeder weiß das, man muss also von einem kalkulierten Wagnis sprechen. Und die schönen Worte sagen es ja: Dieser Film will nicht aufklären und nicht moralisch sein. Stimmt: Sein Job ist Geldverdienen. Mit welchem Bild im Kopf werden diejenigen nach Hause gehen, die nichts Historisches über die RAF wussten?

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