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WAZ: Auf der schiefen Bahn - Kommentar von Wilfried Beiersdorf

    Essen (ots) - Seien Sie froh, dass Ihr Supermarkt nicht an die Börse will. So bleiben Sie vom Zuschlag für den Kassenbon verschont. Auch der Friseur würde als Börsenkandidat natürlich schon längst eine Kamm-Abnutzungsgebühr verlangen. Im Ernst: Was sich Bahnchef Mehdorn in seiner Börsen-Euphorie leistet, wird immer abstruser.

      Selbst mit seinem teilweisen Rückzug beim "Bedienzuschlag" gerät
Mehdorn auf die schiefe Bahn. Denn diese Ausnahmen werden zwar einige
Kunden erfreuen, schaffen bei den meisten anderen aber böses Blut. So
hat der 59-jährige Bahnkunde, der für seine Bahncard schon 220 Euro
hingelegt hat, den "Bedienzuschlag" von 2,50 Euro zu zahlen. Der
60-jährige Fahrgast, für den die gleiche Bahncard 110 Euro kostet,
kommt ohne Zuschlag davon. Aber wer kein Geld für eine Bahncard hat,
muss - selbst wenn er 75 ist - den Zuschlag bezahlen.

      Dass auch Behinderte nun größzügiger vom "Bedienzuschlag" befreit
werden, wird vielen von ihnen nichts nützen. Denn noch immer ist es
Alltag, dass Behinderte oft nicht auf Bahnsteige oder in Züge
gelangen können. Diese Menschen sind auch ohne Zuschlag bedient.

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