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WAZ: Karadazic in Den Haag - Keine Wende - Leitartikel von Vladimir Jokanovic

    Essen (ots) - Radovan Karadzic ist der 42. Serbe, dessen das Haager Kriegsverbrechertribunal habhaft geworden ist. In keinem früheren Fall kamen so viele Demonstranten in Belgrad zusammen wie diesmal. 15 000 Nationalisten bekannten sich zum "Helden Karadzic". Dennoch verlief der Abend aus Sicht der neuen Regierung in Belgrad ermutigend. Ganz anders als beim Aufmarsch von 200 000 aufgebrachten Serben, die im Februar gegen die Unabhängigkeit des Kosovo demonstrierten, blieb es ruhig. Die Regierung konnte es sich leisten, unmittelbar nach dem Ereignis genau das zu tun, was die Karadzic-Fans verhindern wollten: den Mann nach Den Haag zu schicken. Darin die Abkehr vom Nationalismus zu sehen, wäre verfrüht. Zwar stehen die meisten Serben dem Gericht misstrauisch gegenüber, das aber macht Karadzic noch nicht zum Idol. Für die Mehrheit wiegen die ihm zur Last gelegten Verbrechen schwerer als Mängel des Tribunals. Noch schwerer wiegt der Verlust des Kosovo. Die nächste Frage an die Regierung wird nicht lauten: Was habt ihr mit Karadzic gemacht? Sondern: Wo bleiben die Segnungen der EU?

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