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WAZ: Nachbar und Bestie. Kommentar von Ulrich Schilling-Strack

    Essen (ots) - Die "Bestie" wird dieser Mann genannt, und wir schauen in sein Gesicht. Studieren die Augen, den Mund, suchen nach Spuren für das Unvorstellbare und bleiben doch fassungslos. Wie kann es sein, dass dieser Mann seiner Familie so viel Leid angetan hat? Warum blieb das Böse so lange im Dunkeln? Aber auch, und das wohl vor allem: Welche Abgründe birgt die menschliche Natur?

      Ein netter Mensch, sagen die Nachbarn. Hat immer freundlich
gegrüßt. War hilfsbereit, packte mit an, wenn man ihn brauchte.
Zählte sogar zu den Honoratioren der kleinen Stadt, gern gesehen am
Stammtisch.

      Niemand ahnte etwas vom Doppelleben des Josef Fritzl. Das Verließ
im Keller, die Torturen der Opfer, all das blieb ein
Vierteljahrhundert unentdeckt. Welch Niedertracht war nötig, um das
Verbrechen zu verbergen! Freunde, Nachbarn, die Behörden - alle
wurden hinters Licht geführt, ahnten nichts vom Horror.

      Wir schauen in dieses Gesicht und finden keine Antwort. Zuweilen
wohnt es wohl nebenan, das Böse, und grüßt uns höflich.

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