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WAZ: Der Todeswunsch von Inge Jens - Demente sind anders - Leitartikel von Petra Koruhn

    Essen (ots) - Kranke Menschen brauchen Beistand.   Und dann kommt Inge Jens und wünscht ihrem Gatten den Tod. Dem Rhetorik-Professor Walter Jens (85), dem die Demenzerkrankung das geraubt hat, was ihn ausgemacht hat - die geistige Fähigkeit. Menschen, die wissen, was die Pflege Demenzkranker bedeutet, können das womöglich nachvollziehen. Auch wenn sie es nie sagen würden. Inge Jens hat es getan, und sie hat ein Tabu gebrochen. Der Wunsch nach einem Ende, das ist die Perspektive des Pflegenden! Der Erkrankte selbst lebt in einer anderen Realität, die eher selten mit Schmerzen besetzt ist. Sterbebegleiter erspüren bei Dementen mehr Lebens- als Todeswunsch. Demente sind anders, und ihre Lebensqualität, die wir ja nicht sehen, ist häufig gut. Es gibt durchaus Kranke, die froh sind, sogar kreativ. Diese Fähigkeiten zu stärken, wird die Aufgabe der Zukunft sein. Dass Angehörige dennoch verzweifelt sind, ist verständlich. Sie haben einen Verlust erlitten - den Menschen, den sie kennen, gibt es nicht mehr. Aber es gibt einen anderen.

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