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WAZ: Sterben per Knopfdruck. Kommentar von Petra Koruhn

    Essen (ots) - Die Gedanken, die man mit der maschinellen Form der Tötung verbindet, sind gespenstisch. Zugegeben. Doch sind sie gespenstischer als manches, was sich in der Realität abspielt?

      Die Realität ist doch auch, dass sich Menschen eine Plastiktüte
über den Kopf ziehen. Dass sie auf Schweizer Parkplätzen, neben Müll
und WCs, den letzten Atemzug tun. Weil sie grausame Schmerzen leiden.
Weil sie zuhause keiner annimmt in ihrer Verzweiflung. Diese Maschine
(oder diese Sterbeorganisation) ist die Folge einer Medizin, die ihre
Aufgabe nicht erfüllt: Menschen vor unerträglichem Leid zu schützen.

      Wie soll sie auch, ohne ausreichende finanzielle Mittel?
Erstaunlich, dass Ärzte oft dennoch mit der Palliativmedizin
fortfahren, auch wenn das Geld fehlt. Geld zählt! Aber es ist kein
Grund dafür, dass zu wenig Morphium gegeben wird. Andere Länder sind
längst weiter. Bei uns muss sich keiner wundern, wenn der Mensch das
Inhumanste überhaupt herbeisehnen mag - den Tod per Maschine.

      Der Apparat ist monströs. Er ist das Ende der Menschlichkeit. Nur
eine Medizin, die das Leid erkennt und handelt, kann ihn ausschalten.

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