Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Slogan fürs Ruhrgebiet - Gibse noch 'ne Schangse. Leitartikel von Thomas Wels

    Essen (ots) - Eine Initiative ist das Gegenteil von Nichtstun, Abwarten, schicksalsergeben auf einen hoffen, der es richtet. Vater Staat vielleicht oder der reiche Onkel aus Amerika, wie es der damalige NRW-Finanzminister Steinbrück mal bei einem Besuch im Ruhrgebiet überspitzt ausgedrückt hat.

      Im Ruhrgebiet arbeiten einige der größten und wirkungsmächtigsten
Unternehmen Deutschlands, die sich zu einem Initiativkreis
zusammengetan haben: weil sie sich im Grundsatz dem Ruhrgebiet
verbunden fühlen, einer Region mit dem Herzschlag aus Stahl, die wie
kaum eine zweite auf der Welle des Strukturwandels reitet, zeitweise
darunter weggespült wird. Eine Gegend, die das deutsche
Wirtschaftswunder wahr gemacht hat, die eine der gewaltigsten
Wirtschaftsregionen der Welt ist - leider unbemerkt von derselben.

      Der Initiativkreis hat im Namen der Initiative eine Idee zur
internationalen Vermarktung des Ruhrgebiets aufgegriffen, eine Idee
mit dem Slogan "Ruhrn Team-Work-Capital". Der Slogan ist im
Praxistest bei unseren Lesern und Nutzern des Online-Portals Der
Westen, aber auch bei Werbern und Politikern unter die Räder
gekommen. Mathe, englisch, häh? Das ist die schlechte Nachricht für
die Werber. Die gute ist die enorme Resonanz auf den Versuch, etwas
zu finden, das als Dach oder Schnittmenge ausdrückt, was uns
ausmacht.

      Mal ehrlich: Eine Überschrift über den Schmelztiegel Ruhrgebiet
von der Emscher bis zum Rhein, vom Dortmunder U bis zum Duisburger  
Hafen, von Ernst Kuzorra bis Hansjörg Felmy, von Krupp und Zollverein
bis Klicktel, Materna und Ruhr-Uni zu finden, ist nicht ganz leicht.
Vielfalt als Formel auszudrücken - die Idee zeigt das Dilemma. Bloß:
Eine Formel wärmt nicht die Herzen, erschließt sich nicht auf Anhieb,
ist technisch nicht umsetzbar.

      Dennoch: Die Arbeit an dem Slogan und einer Kampagne zeigt nicht
nur, wie schwer die Positionsbestimmung im internationalen Kampf um
kreative Köpfe und Investoren ist, sondern auch wie nötig. Als Nokia
das Aus für das Werk Bochum bekannt gab, hatte ganz Europa das Bild
einer elenden Gegend vor Augen. Dabei blüht hier eine
Kulturlandschaft, die ihresgleichen sucht, in Dortmund boomt die
Informationstechnologie, in Oberhausen der Turbinen-Bau, der Hafen in
Duisburg ist die europäische Logistik-Drehscheibe, der Ausstieg aus
der subventionierten Steinkohle ist fast geschafft - ohne
Entlassungen. Das alles sollte die Welt erfahren. Bloß wie? Morgen
erklärt Grey den Slogan. Gibse noch 'ne Schangse.

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