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WAZ: Schlimme Entgleisung - Leitartikel von Martin Tochtrop

    Essen (ots) - Hartmut Mehdorn ist ein harter Hund. Dass auf den Bahnchef aber dermaßen eingedroschen wird, wie es der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf tat, sprengt sämtliche rhetorischen Verhaltensregeln im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Mehdorn u.a. als "Führer der neuen Reichsbahn" zu bezeichnen, da geht Michael Szentei-Heise zu weit.

      Richtig, die Bahn macht es sich zu einfach, wenn sie sich auf das
Bahngesetz beruft, das Vergünstigungen verbietet. Mit einem Tick mehr
Engagement für den "Zug der Erinnerung" hätte es Mehdorn schon
hingekriegt, dass der Verein nicht dermaßen zur Kasse gebeten wird.
Und sei es auf politischem Wege.

      Mehdorn aber zu unterstellen, er wolle Geldeinbußen wettmachen,
weil die Reichsbahn Kinder kostenlos in den Tod befördert habe, ist
schon ein starkes Stück - ein sehr starkes. Die Juden in Düsseldorf
sollten ihren Geschäftsführer zügeln. Und eine Anzeige wegen
Beleidigung wäre durchaus gerechtfertigt. Derartige Entgleisungen
dürften selbst für das dicke Fell eines Hartmut Mehdorn eine Nummer
zu heftig sein.

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