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Märkische Oderzeitung: Interview-Vorabmeldung: Bartoszewski: "Europäisches Bewusstsein braucht Zeit"

    Frankfurt/Oder (ots) - Frankfurt(Oder) (MOZ) Die Entwicklung eines gemeinsamen Bewusstseins zwischen Ost- und Westeuropäern in der EU braucht nach Ansicht des früheren polnischen Außenministers Wladyslaw Bartoszewski noch Zeit. Dies zeige das Beispiel der Iren, die gegen den neuen EU-Vertrag gestimmt hätten, "obwohl sie zu den größten Nutznießern der EU gehören". Er könne auch polnische Euroskeptiker verstehen, "wenn es etwa um die Frage der Souveränität Polens geht", sagte der 86jährige Politiker, der seit November für den Dialog der polnischen Regierung mit Deutschland zuständig ist, in einem Interview mit der "Märkischen Oderzeitung". Seit Anfang des 18. Jahrhunderts seien mit Ausnahme der Jahre von 1921 bis 1939 und seit 1993 fast immer fremde Armeen auf polnischem Gebiet gewesen. "Dennoch sind unter den jungen Polen rund 80 Prozent von der Europäischen Union überzeugt", so Bartoszewski weiter. Die deutsch-polnischen Beziehungen entwickelten sich seit dem Regierungswechsel in Warschau positiv. Die zwei Jahre der Kaczynski-Regierung, in der antideutsche Vorurteile geschürt worden seien, hätten "für uns denkende Polen eine sehr lehrreiche Wirkung gehabt". Man habe bemerkt, "wie groß noch das Potenzial der stillen Dummheit" sei. Allerdings sei die Stimmung in den Grenzgebieten Polens zu Deutschland deutlich positiver, als in Regionen ohne intensiveren Kontakt zu Deutschland. Die Bevölkerung in diesen Westgebieten bestehe zu großen Teilen aus Flüchtlingen und Zwangsumsiedlern aus dem Osten sowie deren Nachfahren. "Das sind Menschen, die in ihrer Familientradition ein Stalin-Trauma haben, nicht ein Hitler-Trauma", so Bartoszewski.

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