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BERLINER MORGENPOST: Die nächste Chefsache - Kommentar von Thomas Fülling

Berlin (ots) - Das ist schon ein ungewöhnlicher Schritt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bestellt in seiner Funktion als Flughafen-Aufsichtsratschef die wichtigsten Baufirmen am BER ins Rote Rathaus ein. Nicht etwa zu einer gemütlichen Plauderstunde, sondern zum Rapport.

Sein Vorgänger Klaus Wowereit hatte sich 2012 trotz etlicher Warnsignale auf die Aussagen der damaligen Geschäftsführung verlassen, dass der neue Hauptstadtflughafen doch wie geplant in Betrieb genommen werden kann. Das Ergebnis ist bekannt: Nur vier Wochen vor dem Termin musste die Eröffnung wegen schwerer Mängel abgesagt werden. Eine Schmach für Berlin, eine schwere Niederlage für Wowereit, von der er sich nie erholen sollte.

Auch für Müller steht viel auf dem Spiel. Denn im September stehen die Wahlen zum Abgeordnetenhaus an. Und weil das Flughafenprojekt - unter anderem wegen der Pleite einer wichtigen Baufirma - schon wieder wackelt, versucht es Müller nun mit einem Schachzug. Er holt die wichtigsten Baufirmen an den Tisch und fordert dort ihre Mitverantwortung ein. Alle müssten an einem Strang ziehen, damit das Flughafen-Projekt gelingen kann, so sein öffentlicher Appell.

Was im Umkehrschluss heißen soll: Geht es doch wieder schief mit der für die zweite Jahreshälfte 2017 avisierten BER-Eröffnung, dann tragen daran nicht die Politiker und auch nicht die staatliche Flughafengesellschaft die Schuld, sondern die Baufirmen. Ob ein solches Kalkül aufgeht, darf bei einem Misserfolg bezweifelt werden.

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