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BERLINER MORGENPOST: Kommentar von Marius Schneider über den Geburtstag von Angela Merkel und ihre Sorgen mit Ole von Beust

Berlin (ots) - Dein Glück ist auch mein Glück!" Unterschreiben Sie bitte alle diesen schönen Satz: Es ist in Ihrem besten Interesse! Die vertrauliche Anrede sollte man vielleicht weglassen, je nach Maß des angebrachten Respekts vor Amt und Person. Denn es ist die Kanzlerin selbst, die gestern im fernen China ihr Wiegenfest feierte. Gratulieren sollten wir aber in jedem Falle. Denn wir brauchen das Glück von Angela Merkel. Dringend! Geburtstag hin oder her, die Projektliste der Kanzlerin ist lang und sperrig. Schuldenberge, Finanzmarktrallys, Mehrwertsteuer, Gesundheitskosten, Elterngeld. Machen wir uns nichts vor: Kaum jemandes Glück wird in den nächsten zwölf Monaten politisch größere Auswirkungen auf unser eigenes haben als ihres. Und als Angela Merkel zu ihrem Ehrentag die altehrwürdige Terrakotta-Armee Chinas besuchte, mag ihr zudem eine gewisse Symbolik dieses Blicks auf die zerbrechlichen Krieger des Kaisers nicht ganz entgangen sein. Ist sie doch auch eine CDU-Chefin, die mit ansehen muss, wie nach Köhler, Koch und Rüttgers nun ein weiterer Führer ihres kleinen Heeres zu zerbröseln droht: Ole von Beust. Er war Merkels personifizierter Pfad in die Zukunft, Bannerträger einer neuen Machtoption aus Schwarz und Grün. Nun ist er entkräftet - das Projekt damit auch? Terrakotta gehört eben zu den eher sensiblen Materialien dieser Welt. Es will gepflegt und behütet werden, wie so mancher Unionsfürst auch. Etwa durch die starke Programmatik und das entschlossene Handeln seiner Chefin. Und so wird der obligatorische Glückwunsch, nimmt man ihn ernst, eine echte Herausforderung. Fortuna, man weiß es, ist ein widerborstig' Ding. Machiavelli, der Spin-Doktor der Macht, hat's geschrieben: Sie ist die launischste und wirkungsmächtigste Gegenspielerin aller großen Staatsmänner und -frauen. Dabei meint es Fortuna derzeit doch eigentlich ganz gut mit der Kanzlerin: Die deutsche Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt. Und nicht zu Unrecht haben Herrscher (und Beherrschte) solche Phänomene immer gern als schicksalhaft, also mithin "glücklich" erlebt. Die Umfragewerte der Regierungsparteien allerdings sinken. Und die Macht, misst man sie einmal in Reitern, die sich in die Schlacht schicken lassen, diese Macht nimmt auch ab. So fragen wir uns, warum es der Kanzlerin nichts hilft, das viele Glück. Vielleicht hilft schon eher ein letzter kurzer Blick auf Machiavelli. Der nämlich könnte die Jubilarin daran erinnern, dass eines gibt, was der Staatenlenker der wankelmütigen Fortuna entgegensetzen kann: Virtu, die Tugend. Und weil Tugend in Machiavellis Sinne politische Energie und Tatendrang bedeutet, wird's schon schwierig mit dem simplen Wunsch nach Glück. Wünschen wir uns deshalb lieber eine neue Lust der Angela Merkel am Machen, am politischen Werk. Damit ihr Glück auch unseres werde - und umgekehrt.

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