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Berliner Morgenpost: Die Berliner, der Müll und ihre Parks - Kommentar

    Berlin (ots) - Die Berliner leben gern in ihrer Stadt. Das behaupten in der aktuellen Infratest-Umfrage für die Berliner Morgenpost 92 Prozent aller Hauptstädter. Ein wunderbarer Wert. Wenn fast alle so gern in ihrem Berlin leben, dann liegt doch wohl auch nahe, dass sie eine saubere einer vermüllten Stadt vorziehen, dass sie Sonnenschein und Abendstimmung lieber in einem reinen als einem verdreckten Park genießen. Doch da tut sich ein übler Widerspruch auf: Die ihre Stadt liebenden Berliner gehen höchst unpfleglich mit ihren vielen Parks um. Sie haben die Grünflächen vom Tiergarten bis zum Treptower Park, um die uns andere Millionen-Städte beneiden, gleich am ersten langen Feiertagswochenende in übel riechende Müllhalden verwandelt. Wenn aber die Berliner ihre Stadt wirklich alle so schätzen, wie sie es von sich behaupten, dann muss doch was zu machen sein, dann muss die vermüllte Liegewiese doch nicht zum Sonntag gehören wie der Frühschoppen. Fangen wir bei den Behörden an. Die sollten endlich begreifen, nur solche Verordnungen zu erlassen, die sie auch wirksam überwachen können. Hundekot-Verordnung, Handy-Verbot während der Autofahrt, Alkoholverkauf an Jugendliche - alles und noch viel mehr streng reglementiert, aber erfolglos, weil nicht kontrolliert und damit fast immer folgenlos. Das gleiche gilt für Grillvorschriften in Parks. Weil die Ordnungskräfte viel zu lange nicht für Ordnung gesorgt und jetzt Angst haben, Bußgelder zu erzwingen, hat sich längst eine Art Grill-Gewohnheitsrecht an fast jedem "Parkplatz" entwickelt. Wenn das schon nicht die um die saubere Luft besorgte Umweltsenatorin auf den Plan ruft, sollten zumindest die Bezirksverantwortlichen zusammen mit der Polizei aktiver werden. Nicht genug Personal? Wer Tag für Tag an fast jeder Ecke der Stadt Bußgelder wegen Falschparkens eintreibt, der wird doch wohl in der Lage sein, an Wochenenden auch mal Grillsünder zur Kasse zu bitten. Mal in dem, mal in jenem Park; mit möglichst großem Aufgebot und nicht als einmalige Aktion. Nichts schreckt bekanntlich mehr ab und leitet zur erzwungenen Einsicht über, als Kontrolle samt Bußgeld. Aber das ist nur ein Weg zur Müllvermeidung. Ein anderer, der wichtigere, ist die freiwillige Einsicht der Berliner, dass sie ihre Stadt nicht wirklich lebenswert finden können, wenn sie ihren ganzen Müll einfach überall liegen lassen und den ganzen Dreck den Behörden überlassen. So gehen allenfalls Bewohner mit den Parks der Stadt um, nicht Einwohner und Bürger, denen der Zustand ihrer Stadt nicht gleichgültig ist, die sich mitverantwortlich fühlen. Uns allen gehört die Stadt und die wenigsten wären wohl darüber erbaut, wenn Mitbewohner vor ihrer Haustür Berge von Müll auftürmen würden. Und dann gäbe es noch die Radikallösung. Wenn alle Mühen der Behörden vergebens sind, wenn alle Appelle an Bürgersinn und Mitverantwortung nichts fruchten, warum den Müll dann nicht mal ein oder zwei Wochenende einfach liegen lassen? Auf dass vor eigenem Müll sich ekelt, der anders nicht zu belehren ist. Doch so ignorant sind wir Berliner, die wir unsere Stadt so schätzen, sicherlich nicht.

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