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Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu EU/Gas-Stresstest

Stuttgart (ots) - Alles kein Problem! Wenn wir nur zusammenhalten, kann uns die wegen der Ukrainekrise im Raum stehende Drohung aus Russland, den Gashahn zuzudrehen, wenig anhaben - ganz zu schweigen davon, dass in Osteuropa wieder jemand erfrieren müsste! So lässt sich die frohe Botschaft aus Brüssel zusammenfassen. Wohl zeigt dieser Stresstest, dass nicht überall genug Gas aus anderen Quellen herbeigeschafft werden könnte, doch wäre das nach Ansicht von Energiekommissar Oettinger im Notfall über staatliche Eingriffe oder andere Brennstoffe wie Holzpellets in den Griff zu bekommen. Die Versorgungssicherheit wäre nur eingeschränkt, aber nicht dramatisch gefährdet. So weit, so gut. Was aber ist mit den Energiepreisen und den ökonomischen Kosten? Dazu schweigt sich die Untersuchung bequemerweise aus.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Gas-Stresstest nicht nur riskant ist, weil er der russischen Seite nach Ländern aufgeschlüsselt detaillierte Angaben zur jeweiligen Abhängigkeit vom Moskauer Gazprom-Konzern macht. Sondern er scheint auch politisch gefärbt, indem er einige Faktoren außer Acht lässt, um dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kurz vor den wichtigen Gesprächen in Mailand und Brüssel Unabhängigkeit und Stärke der EU zu demonstrieren. Ob diese Rechnung aufgeht oder doch zu durchschaubar ist, werden die nächsten Tage und Wochen weisen.

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