Stuttgarter Zeitung: Mappus als Mühlstein / Leitartikel zur Lage der Südwest-CDU

Stuttgart (ots) - Bald zwei Jahre nach seiner Abwahl verdüstert Stefan Mappus noch immer das Bild seiner Partei, ja sogar mehr denn je. Erst stellt sich heraus, dass er im regen Kontakt mit führenden CDU-Abgeordneten steht, die im Untersuchungsausschuss seinen EnBW-Deal aufklären sollen. Dann liefert er sich mit seinen Nachfolgern an der Spitze des Landesverbands und der Landtagsfraktion einen beispiellosen öffentlichen Schlagabtausch. Wer hätte es je für möglich gehalten, dass Unionsgranden einem ehemaligen CDU-Regierungschef sogar den Parteiaustritt nahelegen - und das in der CDU-Bastion Baden-Württemberg?

Es stellt sich die Frage, wie es sein konnte, dass sich die einst so stolze und staatstragende CDU einem solchen Politiker auslieferte? Zu Recht wehrt sich der Pforzheimer dagegen, zum alleinigen Sündenbock für den Niedergang der Südwest-CDU gemacht zu werden. Viele der Funktionäre, die heute demonstrativ auf Distanz gehen, haben ihn ja einst unterstützt - im Wissen um seine Stärken, aber auch um seine Schwächen. Der Landesvorsitzende Thomas Strobl gab als Generalsekretär seinen obersten Claqueur, Peter Hauk sicherte ihm als Fraktionschef brav die Mehrheit.

Beide dürften indes nur Moderatoren des Übergangs sein - eines Übergangs, der umso länger dauert, je länger eine gründliche Aufarbeitung des Systems Mappus auf sich warten lässt. Erst dann kann die Partei wirklich nach vorne schauen. Nach den Turbulenzen der letzten Tage kann niemand mehr darauf hoffen, dass die Erinnerung an den Pforzheimer allmählich verblasst. Stefan Mappus - dieser Name wird in der CDU noch lange nachhallen.

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