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Mitteldeutsche Zeitung: Zeitgeschehen/70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges

Halle (ots) - Russischer und amerikanischer Botschafter erinnern in Gastbeiträgen für die "Mitteldeutsche Zeitung" (Freitag-Ausgabe) an das Kriegsende (nachfolgend die Wortlaute)

"Sieg der Menschlichkeit über die Barbarei" Von Wladimir M. Grinin

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai feiern wir den 70. Jahrestag des Lebens ohne Weltkriege. 54 Millionen ins Verderben gezogene Opfer kostete der 2. Weltkrieg die Menschheit. Unser Land war von diesem Vernichtungskrieg besonders betroffen. Enorme Verwüstungen, enormes Leid und 27 Millionen Menschenleben. Verschiedene Nationen haben sich damals zusammengetan, um der Nazi-Maschinerie ein Ende zu setzten und ihren Nachkommen das Möglichsein einer Zukunft überhaupt sichern zu können. Doch dieser Sieg war nicht der einer militärischen Koalition über die andere. Das war auch nicht der Sieg über das deutsche Volk. Das war der Sieg der Menschlichkeit über die Barbarei. Der Freiheit über die Sklaverei. Des Lebens über den Tod. Zwischen damals und heute liegen sieben Jahrzehnte. Doch dieser lange Zeitabschnitt ist machtlos gegenüber dem Geist der Brüderschaft und des Friedens, der damals den ganzen Globus zu erfassen schien. Aus diesem Geist entstanden die Vereinten Nationen, die Organisation, der im Rückblick auf Schrecken und Leiden des Zweiten Weltkriegs die große Vision vom gegenseitigen Respekt, Verständnis und Vertrauen zugrunde gelegt wurde. Nicht immer hat diese im späteren Verlauf der Geschichte angemessene Umsetzung gefunden. Die einen Konfrontationslinien wurden verwischt, die anderen neu gezogen. Der große Traum vom internationalen Einvernehmen lebt aber weiter. Dessen Erfüllung anzustreben ist unsere Pflicht. Nicht nur der Kriegstoten willen, sondern auch und vor allem um der lebenden und nachkommenden Generationen willen. Es ist nicht zu übersehen, wie kompliziert die heutigen Zeiten sind. Darüber hinaus sieht sich die ganze Welt derzeit gemeinsamen Herausforderungen gegenüber. Dennoch hoffe ich, dass wir imstande sind, diese Turbulenzen zu überwinden, wenn wir die Ursachen und Folgen der damaligen Katastrophe nicht vergessen. Wir alle von dem Krieg Betroffenen leben in einem euroatlantischen Raum. Und in unserem Land, das entsprechende Lehre aus dem 2. Weltkrieg gezogen hat, wünschen sich die Menschen, dass in diesem Raum sich eine nachhaltige, gleiche und unteilbare Sicherheitsordnung etabliert und ein normales partnerschaftliches Verhältnis praktiziert wird. Wir müssen an das Vermächtnis der Soldaten der Anti-Hitler-Koalition halten: "Nie wieder Krieg". Denn dann waren ihre Opfer nicht umsonst.

"Aus Feinden wurden Freunde" Von John B. Emerson

60 Millionen Menschen hatten bis zum Tag des Sieges der Alliierten in Europa in einem der grausamsten Zeitabschnitte der Geschichte ihr Leben gelassen, an den Stränden der Normandie, in den Konzentrationslagern der Nazis, vor den Toren Moskaus und an zahllosen anderen Orten. Hinter diesen gewaltigen Zahlen verbergen sich Millionen unbeschreibliche Tragödien. Für die Überlebenden würde das Leben nie wieder so sein wie zuvor. Ich habe ihre Geschichten in Buchenwald und Dachau, in Berlin und Torgau gehört. In der bisherigen Geschichte gibt es nichts, das mit der Unmenschlichkeit und Tragik des 2. Weltkriegs vergleichbar wäre. Als sich heute vor 70 Jahren die Nachricht von der Kapitulation Nazi-Deutschlands verbreitete, ging eine Welle der Erleichterung und Freude durch Europa und die Vereinigten Staaten. Doch die Freude wurde durch den Schmerz über die ungeheuerlichen Verluste getrübt. In der Sowjetunion war jeder achte Staatsbürger ums Leben gekommen. Wenn wir heute derer gedenken, die im 2. Weltkrieg gelitten und gekämpft haben, müssen wir uns auch zu Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit bekennen. Aus den Trümmern des 2. Weltkriegs wurde eine transatlantische Gemeinschaft geschmiedet, die in gemeinsamen Institutionen verankert ist. Sie haben Europa eine Ära des Friedens, des Wohlstands und der Stabilität gebracht. Aus Feinden wurden Freunde, die lernten, zusammenzuarbeiten. Das Bedürfnis nach Einigkeit und Entschlossenheit besteht nach wie vor. Denn wir stehen auch heute noch vor Herausforderungen, die eine globale Zusammenarbeit und globale Lösungen erfordern: Konflikte, Terrorismus, Intoleranz, Fanatismus, Krankheiten, Dürren, Hungersnöte und Armut. Zwei Ereignisse, die sich nicht nur maßgeblich auf die transatlantischen Beziehungen, sondern auch auf die Weltordnung ausgewirkt haben, waren die friedliche Revolution, die zum Fall der Berliner Mauer führte, und die deutsche Wiedervereinigung. Sie haben der Vorstellung von einem geeinten, freien und friedvollen Europa im 21. Jahrhundert und einer umfassenderen Vision der Grundrechte, die Menschen auf der ganzen Welt inspiriert, Gestalt gegeben. Es ist die Vision von einer Welt, in der die Menschen ihre Meinung frei äußern und ihre Regierung kritisieren, sich versammeln, wählen und selbst über ihr Schicksal bestimmen dürfen. Diese Rechte bringen Pflichten und die Verantwortung mit sich, das Gemeinwohl zu verteidigen. Dieser Prozess war und ist weder einfach noch unausweichlich, das hat die Geschichte unserer beiden Länder gezeigt. Wir Amerikaner haben im eigenen Land und in unseren Beziehungen zu anderen Fehler gemacht, und manchmal sind wir an unseren eigenen Idealen gescheitert. Aber es liegt in der Natur unserer Demokratie, dass sie sich selbst korrigiert, und in unserem Streben nach diesen Idealen bleiben wir unnachgiebig. An diesem 70. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs sollten wir uns erinnern, dass wir gemeinsam in der Lage sind, den Verlauf der Geschichte positiv zu beeinflussen.

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