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Lausitzer Rundschau: Der 13. August 1961 und das heutige Wissen darum
Die Mauer in uns

Cottbus (ots) - Die meisten Menschen beschäftigen sich nicht mit Politik und Zeitgeschichte, ehe sie die Ausläufer nicht selbst ereilen. Für sehr viele Bundesbürger dürfte der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer daher das deutsche Ereignis schlechthin sein. Schon den Mauerfall haben ja längst nicht alle bewusst erlebt. Erst recht nicht den Mauerbau, schon altersbedingt nicht. Es ist also völlig normal, dass nur die Hälfte der Deutschen etwas mit dem Datum 13. August 1961 anzufangen weiß, und von den jungen Leuten noch weniger, wie eine Umfrage jetzt ergab. Trotzdem muss man gegensteuern. In den Schulen, in den Medien. Nicht, weil das eine patriotische Pflicht oder dergleichen wäre. Sondern weil der Mauerbau ein einschneidendes Ereignis für das Verständnis des heutigen Deutschland ist. Neben und nach dem Nationalsozialismus und seinen Gräueln, der noch weit tiefere Wunden geschlagen hat und deshalb länger nachwirkt. Der Mauerbau bedeutet für das heutige Leben jedes einzelnen Deutschen konkret etwas, selbst wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Das fängt damit an, dass fast ein Fünftel der Bundesbürger in dem untergegangenen zweiten deutschen Staat gelebt hat. Oder ihre Eltern. Sie sind dort sozialisiert, mit anderen Helden und anderen Legenden groß geworden. Das zu verstehen, ist wichtig, um auch die Mauer in uns zu Fall zu bringen. Und es geht weiter damit, dass es eine Naherfahrung von Diktatur und Unterdrückung und allen ihren Nebenwirkungen sonst in Deutschland nicht mehr gibt. Überlebende der Hitlerei gibt es kaum noch. Aus dieser Erfahrung lässt sich im eigenen Land der besondere Wert von Freiheit und Demokratie ableiten. Auch der Wert der Selbstbehauptung und des Freiheitsdranges der Menschen. Da muss man nicht nach Kiew gucken oder Peking. Das alles ist erst 25 Jahre her und in der Erinnerung bei den Betroffenen höchst lebendig. Und drittens ist es schon nützlich zu wissen, warum die eine Gegend in Deutschland schlechter dasteht als die andere und einen Startnachteil hat. Warum die Arbeitslosigkeit so viel höher und das Vermögen so viel geringer ist. Dann diskutiert man zum Beispiel über den Länderfinanzausgleich doch etwas anders. Die aktuellen Daten über das sehr lückenhafte geschichtliche Wissen der Deutschen bezüglich der DDR sollten also ein Ansporn für Kultuspolitiker und Pädagogen sein, sich dieses Mankos anzunehmen. Vor allem an den Schulen, in den Lehrplänen. Denn es wird mit jedem Jahr nicht besser.

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