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Lausitzer Rundschau: Schnellbesohlung Zum Studentenleben nach der Bologna-Reform

Cottbus (ots) - Studium war immer mehr als Vorlesungen und Prüfungen. Studis wollen nicht nur studieren, sie wollen auch feiern und das Leben in der neuen Stadt aufsaugen. Manche müssen die Miete verdienen, andere setzen den Fuß in zum Beispiel die Politik. Auch der Irrtum gehört beim Studieren immer zum Ergebnis: Besser einer merkt nach zwei Semestern, dass er nicht zum Mediziner taugt, als nach zehn Jahren im Job. Wer heute eine Hochschule verlässt, soll sich nach Wunsch der Arbeitgeber schon souverän in der Branche bewegen, soll sich in der Praxis freigeschwommen haben. Dass das alles nicht mehr geht, befürchteten 1999 viele, als die Bologna-Reform ihren Lauf nahm. Einen abgeschlossenen Bachelor nach sechs, höchstens acht Semestern. Wer will, sattelt noch den Master drauf. Inzwischen sind drei Viertel der 2,4 Millionen deutschen Studenten in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben. Die Abschlüsse nach angelsächsischem Modell sollten die deutschen Hochschulen international profilieren und jüngere Absolventen hervorbringen. Nun stellt sich heraus: Die wenigsten kriegen das hin. Das ist zwar kein Drama, doch wer länger braucht, dem geht nicht zuletzt das Bafög flöten. Den Härtefällen drohen Langzeitstudiengebühren. Die schlechten Zahlen belasten auch die Hochschulen. Die stehen - auch durch Bologna - in einem harten Konkurrenzkampf ums Profil und um jeden Studenten. Denen müssen sie Qualität bieten, gutes Lehrpersonal und eben auch die Voraussetzungen für den zügigen Abschluss. Häuser, die keine gute Tempo-Quote vorweisen können, stehen schlecht da, auch finanziell. Denn die Anzahl der Studierenden, die in Regelstudienzeit abschließen, gilt als Kennzahl für die finanzielle Mittelverteilung an den Hochschulen. Sie können aber nicht immer etwas dafür, wenn ihre Studis wegen Überforderung oder Liebeskummer überziehen. Oder ganz hinschmeißen. Die Landespolitik ist bei alledem fein raus. Sie beruft sich auf die Autonomie der Hochschulen, die mit dem Problem möglichst selbst fertig werden sollen, und setzt auf der anderen Seite die Studis mit Bummel-Gebühren unter Druck. Dabei ist klar, dass es ohne mehr Geld für Lehrpersonal und mehr Seminare auf Dauer nicht gehen wird. Klar ist auch, dass die Hochschulen das nicht allein aus eigenen Mitteln stemmen können. Die Länder wollen im Länder-Ranking mit vielen "klugen Köpfen" glänzen, denen es dann auch so gut gefallen soll, dass sie gleich in Cottbus, Zittau oder Mittweida bleiben und Familien gründen. Studieren war eben immer schon eine Weiche für die Zukunft, das sollte es auch wert sein.

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