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Lausitzer Rundschau: Wie bei Putin Zur Diskussion über Schäubles Hitler-Vergleich

Cottbus (ots) - Noch jeder Vergleich mit der Hitler-Zeit ist schiefgegangen, denn sie ist einzigartig. Das hätte Wolfgang Schäuble wissen können. Allerdings, er hat genau besehen nicht Putin mit Hitler verglichen, sondern den Anschluss der Krim an Russland mit dem des Sudetenlandes 1938 an das Deutsche Reich. Auch das ist nur begrenzt richtig - Hitler wollte damals den großen Krieg. Das kann man Putin nicht unterstellen, schon gar nicht den Willen zur Vernichtung anderer Völker. Dass gerade Russen, die so viele Millionen Menschen im Weltkrieg verloren haben, bei Hitler-Vergleichen allergisch reagieren, kann man verstehen. Aber, das muss sich der russische Präsident in Sachen Krim gefallen lassen, etliche Analogien gibt es doch. Was heute die Russland-Partei Sergei Aksjonows auf der Schwarzmeerinsel ist, war damals die Sudetendeutsche Partei des Konrad Henlein: Ein Vasallenverein, der die Annexion vorbereitete. Und die Selbstschutztruppen, die maskiert die Krim unsicher machten, hießen damals Freikorps. Schließlich: Putins Begründung für die Annexion ("untrennbarer Teil Russlands") ist beinahe identisch mit der alten Heim-ins-Reich-Losung des Jahres 1938. Wenn man so will, ist Putin derjenige, der das Geschichtsbuch nicht gelesen hat, sonst hätte er seine völkische Rede vom 18. März nicht gehalten. Schäuble muss sich nicht entschuldigen, und Moskau sollte sich nicht aufspulen. Viel schlimmer für Russlands Ansehen als ein etwas schiefer Vergleich ist doch, dass man künftig für völkerrechtswidrige Landnahmen weltweit sagen wird: Das ist ja fast so schlimm wie bei Putin und der Krim.

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