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Lausitzer Rundschau: Das Ende der Naivität Zu den längerfristigen Folgen der Krim-Krise

Cottbus (ots) - Mit dem Referendum am morgigen Sonntag ist der Anschluss der Krim an Russland kaum noch aufzuhalten. Putin hat sich mit brachialer Gewalt durchgesetzt, alle Bemühungen um eine diplomatische Lösung sind gescheitert. Europa wirkt hilflos. Was hier passiert, ist ein Schock, der noch lange nachwirken wird. Auch bei uns. Deutschland sei nur noch von Freunden umgeben. So lautete die freudige Erkenntnis nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Jetzt gebe es endlich eine Friedensdividende, hieß es. Die deutschen Rüstungsausgaben sanken rasant auf nur noch zehn Prozent des Haushalts, statt wie früher 25 Prozent. Und selbstverständlich hatte Deutschland nichts dagegen, sich in der Energieversorgung vom ehemaligen großen Gegner Russland abhängig zu machen, der war ja keiner mehr. Auch gegenüber den Freunden war man treuherzig, wie die NSA-Affäre zeigte. Die geschrumpften deutschen Sicherheitsdienste merkten nicht einmal die Abhörung der Kanzlerin. Nun aber zeigt sich: Die Welt ist nicht so freundlich und friedlich, wie wir sie uns wünschen, und wie sie sein könnte. Und es geht nicht nur um die neuen asymmetrischen Bedrohungen durch Terroristen irgendwo am Hindukusch. Es geht um ganz klassische Konflikte zwischen Staaten und sogar wieder um Landeroberung. Nicht in der Ferne, sondern auf dem eigenen Kontinent gibt es weiterhin eine unberechenbare Macht, Russland, die über Atomwaffen verfügt und immer mehr zur Autokratie, wenn nicht Diktatur geworden ist. Putin folgt nicht dem integrativen europäischen Konzept, sondern einem konfrontativen. Mindestens einem konkurrierenden. Und in der Türkei des Recep Erdogan entwickeln sich die Dinge derzeit in eine ganz ähnliche Richtung. Was, wenn sich dieses wirtschaftlich und militärisch immer stärker werdende Land künftig ebenfalls aggressiv gebärdet, zum Beispiel im Mittelmeerraum gegenüber engen Partnern Deutschlands wie Griechenland oder Israel? Von den unkalkulierbaren Entwicklungen in vielen arabischen Mittelmeer-Anrainerstaaten gar nicht zu reden. Schweden, viele Jahre neutral, denkt wegen der aktuellen Entwicklungen bereits über eine stärkere Zusammenarbeit mit der Nato nach. Polen verlangt, dass Europa bei der Energieversorgung autarker wird. Und im Baltikum rufen sie nach mehr militärischem Schutz. Die Krim-Krise verändert die Stimmung auf dem Kontinent, und zwar nachhaltig. Europa ist nicht Teletubbie-Land. Das ist die Erkenntnis dieser Tage. Wie sie sich im Detail auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Nur dies: Die Blauäugigkeit, die Naivität, ist weg.

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