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Lausitzer Rundschau: Zum Pulverfass Krim - der Machtkampf zwischen Moskau und Kiew

Cottbus (ots) - Die ukrainische Übergangsregierung in Kiew spricht von einer russischen "Kriegserklärung" und hat die Alarmstufe Rot ausgelöst. Der Westen prangert Moskaus "unglaublichen Akt der Aggression" an und erwägt Sanktionen. Droht in diesen schicksalsträchtigen Tagen ein neuer Krieg in Europa? Das Säbelrasseln in der Krim-Krise tönt so laut, dass es sinnvoll ist, zunächst die Tatsachen sprechen zu lassen. Fest steht: Das russische Militär hat die Halbinsel de facto besetzt und übt dort über eine Marionettenregierung die politische Kontrolle aus. Unstrittig ist auch: Die ukrainische Armee verfügt trotz aller Drohgebärden nicht über die Mittel, um der skrupellosen Intervention des großen Nachbarn Einhalt zu gebieten. Wenn Übergangspremier Arseni Jazeniuk ankündigt, die Ukraine werde die Krim niemals aufgeben, so ist dies nicht mehr als ein schwächliches Pfeifen im Walde. Zu den Gewissheiten in der Krim-Krise zählt außerdem, dass die USA, die EU und die Nato nicht gewillt sind, wegen der territorialen Integrität der Ukraine einen heißen Krieg gegen Russland zu führen. Viel zu groß ist das Risiko, dass der Funke einen globalen Flächenbrand wie vor 100Jahren zu Beginn des Ersten Weltkriegs entfachen könnte. Das will niemand, und das ist gut so. Ob die Sanktionen, die der Westen lanciert, ausreichen, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Umkehr zu bewegen, steht auf einem anderen Blatt. Bedenkt man all dies, so läuft derzeit alles darauf hinaus, dass Russland die Krim zu einem Protektorat und damit gleichsam zu "seinem" Kosovo machen wird. Die Schwarzmeer-Halbinsel wird auf lange Jahre hinaus ein Staat im Staate Ukraine bleiben. Mit diesem Faustpfand in der Hand wird Putin versuchen, seinen Einfluss im Nachbarland zu maximieren. Weitere Hebel sind wirtschaftlicher und finanziller Druck sowie das berüchtigte Drehen am Gashahn. Den Exil-Präsidenten Viktor Janukowitsch kann Russland jederzeit als nützlichen Idioten ins Feld führen, um das eigene aggressive Vorgehen zu legitimieren. Eine Abtrennung der Krim und eine Annexion durch Russland ist dagegen unwahrscheinlich. Zu drastisch wäre dieser Bruch des Völkerrechts. Längst noch nicht ausgemacht ist dagegen, ob sich der Kremlherrscher bei seinem aggressiven geopolitischen Spielen mit der Krim begnügen wird oder ob er eine bürgerkriegsähnliche Eskalation in der Ostukraine provozieren will. So bitter es klingt: In diesem Szenario droht die größte Gefahr von ukrainischen Nationalisten, die als Freischärler oder Attentäter im Donbass und sogar auf der Krim selbst zum unkontrollierten Angriff übergehen könnten. Jene Männer und Frauen, die sich auf dem Maidan in Kiew in das Fadenkreuz von Scharfschützen stellten, haben bewiesen, dass sie für die Freiheit ihres Landes zu sterben bereit sind. Sie schrecken womöglich auch vor einem Partisanenkrieg gegen die übermächtige russische Armee nicht zurück. Die Folgen wären unabsehbar. Putin und seine Gegner spielen mit dem Feuer. Ein Gutes hat die Eskalation allerdings doch. In jeder Krise steckt bekanntlich eine Chance. In diesem Fall zeichnet sie sich sehr vage am Horizont ab. Manches spricht tatsächlich dafür, dass die Konfrontation in der Ukraine den Anfang vom Ende der Ära Wladimir Putin markieren könnte. Der russische Präsident steht weitgehend isoliert da. Nicht nur der Westen, auch Türken und Chinesen wenden sich mit Grausen ab. Allein ist Russland aber vor allem wirtschaftlich zu schwach, um dauerhaft Erfolg haben zu können - ob mit oder ohne die Halbinsel Krim.

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