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Lausitzer Rundschau: Unter Waffen Geiselnahme mit fünf Toten bei Zwangsräumung

Cottbus (ots) - Zwangsräumungen gehören zum täglichen Geschäft der Gerichtsvollzieher in Deutschland. Nicht nur wegen Mietschulden, auch nach gescheiterten Beziehungen werden Wohnungen manchmal per Gerichtsbeschluss geräumt, wenn ein Partner nicht freiwillig auszieht. In Karlsruhe endete dieser unerfreuliche, aber doch alltägliche Vorgang am Mittwoch mit einem Blutbad. Ein Mann erschoss seine Lebensgefährtin, den Gerichtsvollzieher, einen Schlosser und den Wohnungseigentümer, bevor er sich selbst tötete. Der Schlosser hinterlässt eine schwangere Frau und kleine Kinder. Wie mag nach dieser Tat einem Gerichtsvollzieher oder dem Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes zumute sein, die heute oder morgen zu einer Wohnungsräumung ausrücken müssen? Nicht nur Gerichtsvollzieher werden immer wieder in hochemotionalen Konfliktsituationen gewalttätig attackiert. Und Tote gibt es immer dann, wenn Schusswaffen im Spiel sind. Im vorigen August erschoss ein Rentner in Nordrhein-Westfalen einen Gutachter und zwei Rechtsanwälte, als das Haus seiner Tochter zur Zwangsversteigerung geschätzt werden sollte. Im Dezember streckte ein Mann in Baden-Württemberg den neuen Besitzer seines zwangsversteigerten Hauses mit einer Schusswaffe nieder. In Landshut schoss 2009 ein Mann im Gerichtssaal wegen eines Erbschaftsstreites um sich: Zwei Tote und zwei Schwerverletzte waren die blutige Bilanz. Die verwendete Pistole war eine von drei legalen Sportwaffen des Schützen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigte damals an, sein Kabinett werde über eine Verschärfung der Waffenkontrolle beraten. Beim Beraten ist es geblieben. Im Januar erschoss ein Angeklagter im bayrischen Dachau im Amtsgericht einen Staatsanwalt. Gerichte haben deutschlandweit in den vergangenen Jahren ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Ohne Kontrollschleuse können nur noch wenige Justizgebäude betreten werden. Gerichtsvollzieher können ihr Gegenüber jedoch nicht durch die Tür mit einem Metalldetektor überprüfen. Auch Jugendämter und Jobcenter können nicht zu Hochsicherheitsbereichen ausgebaut werden. Dass Einzelne in hoch emotionalen Konfliktsituationen dort gewalttätig werden, kann niemand verhindern. Doch je mehr scharfe Waffen sich legal in Privathand befinden, um so größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei Tote gibt, wie jetzt in Karlsruhe. Vielleicht wird von der Politik nun wieder mal über das Waffenrecht nachgedacht. Dass dieses Nachdenken Folgen hat, ist leider nicht zu erwarten.

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