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Lausitzer Rundschau: Null Bock auf Politik? Zu den Ergebnissen der Jugendstudie in Brandenburg

Cottbus (ots) - Nein, Politikverdrossenheit ist es weniger, was junge Menschen umtreibt, wenn sie befragt werden nach ihrer Reaktion auf das öffentliche Leben. Die Studien der jüngsten Zeit, auch die am Dienstag in Brandenburg veröffentlichte, zeigen viel eher, dass sich eine Art von Parteienverdrossenheit breit gemacht hat. Es herrscht dabei ein abgrundtiefes Misstrauen gegen all die Vertreter, die sich in Parlamenten tummeln und vorgeben, dort die Interessen ihrer Wähler im Auge zu haben. Denn die jungen Menschen zeigen sich ansonsten in ihren Antworten und auch im wirklichen Leben durchaus und sogar zunehmend zur Eigenverantwortung und zum Engagement für eine von ihnen erkannte bedeutsame Sache bereit. Ein erheblicher Teil der Jugend ist sehr wohl mündiger geworden und dieser Teil der nachwachsenden Generation informiert sich auch. Es ist also keineswegs so, dass der Verdruss mit den Politikern nur noch in Resignation mündet. In Verbindung mit der leider nach wie vor zu hohen Zustimmung zu rechtsextremen Parolen sind die Befunde der Forscher über die deutliche Distanz zur herkömmlichen Politik allerdings ein Alarmsignal, das ernst genommen werden muss. Da wird auch deutlich, dass es offenbar erheblich an Glaubwürdigkeit fehlt, wenn die Berufsdemokraten von der Demokratie predigen. Kampagnen gegen den Extremismus sind ganz offensichtlich genauso von geringer Wirkung geblieben wie die Aufforderungen, sich in den Parteistrukturen zu engagieren. Brandenburgs Schulminister hat die jüngste Studie zur Einstellung der Jugend des Landes damit kommentiert, dass diese selbstbewusst und optimistisch jetzt angekommen sei in der Bundesrepublik. Da mag er durchaus recht haben. Offen bleibt nur die Frage, wo denn die Politiker gelandet sind, die wieder und wieder bescheinigt bekommen, dass man ihnen nicht über den Weg traut. Die leben mit ihrer Rechthaberei, ihrem Beharren auf Unfehlbarkeit ganz offensichtlich woanders. Und wenn sich daran nicht bald etwas ändert, wird auch der weiterhin besorgniserregende Anteil von Demokratiefeinden nicht etwa schrumpfen, sondern wachsen.

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