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Lausitzer Rundschau: Frieden braucht Freiheit Zum Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo

Cottbus (ots) - Es war eine fast schon unvermeidliche, eine längstens überfällige Entscheidung, den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis zu ehren. Das Regime in Peking hat mit seinen Drohungen ungewollt einiges dazu beigetragen, dass dem Osloer Komitee kaum noch eine andere Wahl blieb. Der Mut und die Beharrlichkeit, die den chinesischen Freiheitskämpfer auszeichnen, rechtfertigen die Auszeichnung allemal und er kann sie auch stellvertretend für die Zehntausende seiner Landsleute entgegennehmen, die trotz großer Risiken seit vielen Jahren in China für die Menschenrechte kämpfen. Liu Xiaobo ist in der langen Reihe der Preisträger der zweite, der zum Zeitpunkt der Verleihung im Kerker sitzt. Der erste war der deutsche Publizist Carl von Ossietzky, der 1936 als Inhaftierter in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten geehrt wurde. Und so rückt mit dieser Analogie auch noch einmal überdeutlich der Zusammenhang zwischen Freiheit und Frieden in das Bewusstsein. Denn ohne Respekt vor der Menschenwürde und vor der Meinungsfreiheit gibt es auf Dauer auch keinen Frieden. Mit der Preisverleihung steht jetzt das Verhältnis der freien Welt zu der Diktatur in China erneut auf dem Prüfstand. Das große Reich mit seinen über 1,3 Milliarden Menschen mag wirtschaftlich und militärisch auf dem Weg zur Weltmacht sein und vielen seiner Bürger zu bescheidenem Wohlstand verholfen haben, aber es verweigert ihnen die elementarsten Rechte auf Mitsprache und Selbstbestimmung. Die Machthaber müssen wissen, dass sie sich damit selbst in eine Reihe stellen mit solchen Regimes wie dem der Nationalsozialisten, dem der Apartheid in Südafrika und des Kommunismus in der Sowjetunion. All diese Formen der Gewaltherrschaft hatten auf Dauer keinen Bestand und sie waren zu ihrer Zeit stets auch eine Gefahr für den Frieden in der Welt. Auch daran erinnert uns das Nobelkomitee mit seiner Entscheidung. An den Staaten der freien Welt ist es jetzt, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Die erste wird es sein, die Freilassung des Geehrten bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit zu fordern. Ossietzky starb früh und elend an den Folgen von Haft und Folter kurz vor dem Beginn des großen Kriegs. Liu Xiaobo möge als freier Mann unter freien Landsleuten steinalt werden - auch unseres Friedens willen.

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