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Lausitzer Rundschau: Halbe Wahrheiten Zur künftigen Konzernstrategie von Vattenfall

Cottbus (ots) - Es passt nicht zusammen, wenn einer ankündigt, alles jetzt ganz anders machen zu wollen und gleichzeitig erklärt, es gehe weiter wie bisher. Was der Energiekonzern Vattenfall jetzt anbietet als strategische Ausrichtung, ist ein unausgegorener Versuch, grünes Image und gutes Geschäft, geringere Investitionen und gesteigerte Gewinnabführung unter einen Hut zu bringen. Das schwedische Staatsunternehmen wird sich in den nächsten Monaten entscheiden müssen, wie diese widersprüchlichen Ziele zu ordnen sind und welches von ihnen Vorrang hat. Wenn es in zehn Jahren fast dreißig Prozent weniger Schadstoffe produzieren will, kann in der Lausitz so nicht weitergefeuert werden. Wenn es die Kraftwerkskapazitäten in der Region auslasten und neue Tagebaue erschließen will, kann es sein erstrebtes grünes Image vergessen. Da passt zu vieles nicht zusammen. Also weiß keiner wirklich, was auch immer den Schweden morgen notwendig erscheint, wenn sie zu Hause Atommeiler hochziehen. Die Bagger in der Lausitz sind im Zweifelsfall die Verfügungsmasse schwedischer Innenpolitik. Und damit dies nicht allzu drastisch klar wird, gibt es für jeden eine angenehme Botschaft - die jeweils erträgliche Hälfte der Wahrheit. Dass dabei Tausend Fragen offen bleiben, wird in Kauf genommen. Tatsächlich ist die groß angekündigte Neuausrichtung in Stockholm also eher ein hastiger Versuch, den politischen Vorgaben halbwegs Genüge zu tun und ansonsten Zeit zu gewinnen. Bei dieser Flucht ins Ungefähre sitzt Vattenfall wieder einmal im gleichen Boot wie die brandenburgische Landesregierung. Weil man sich vor unbequemen Wahrheiten scheut, wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass alles irgendwie schon so weitergehen könnte. Das mag für Politiker, die an die nächsten Wahlen denken und für Manager, die den kommenden Quartalsbericht im Auge haben, noch hinnehmbar sein. Für die Lausitz aber ist die Botschaft aus Stockholm eine eindeutige Aufforderung. Jetzt muss die Zeit genutzt werden, um Handlungsspielräume zu gewinnen und sich Schritt für Schritt zu befreien von der viel zu großen wirtschaftlichen Abhängigkeit von einem einzigen Konzern. Wenn der seinerseits ein Imageproblem erkennen lässt, bieten sich damit auch Chancen. Der Testfall für die neue, nachhaltige Verantwortung, von der Vattenfall redet, sollte, muss die Lausitz werden.

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