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Lausitzer Rundschau: Wo Fehlanreize blühen Diskussion über Praxisgebühr

Cottbus (ots) - Die Einführung der Praxisgebühr war der größte gesundheitspolitische Aufreger in der rot-grünen Regierungsära. Das ist nun schon sechs Jahre her, und die Patienten zahlen den quartalsmäßigen Eintritt beim Arzt inzwischen ohne spürbares Murren. So ist auch fast in Vergessenheit geraten, welchen Sinn die Praxisgebühr neben der kurzfristigen Geldbeschaffung erfüllen sollte. Experten erhofften sich einen Rückgang der Arztbesuche. Doch das war ein Trugschluss. Mit durchschnittlich 18Arztbesuchen pro Jahr stehen die Deutschen weiter international an der Spitze. Dabei sind die Engländer oder Skandinavier auch nicht kränker, obwohl sie sich viel seltener beim Doktor blicken lassen. So gesehen spricht einiges dafür, die Praxisgebühr zu erhöhen oder bei jedem Arztbesuch zu erheben, wie es der Mittelstandsflügel der Union fordert. Doch damit würde es sich die Politik ziemlich einfach machen. Das Gesundheitssystem besteht nicht nur aus den Versicherten, die durch die geplanten Beitragsanhebungen schon genug bluten müssen. Andere Akteure leben prächtig von der deutschen Mentalität, sich Gesundheit etwas kosten zu lassen. Das fängt mit den Krankenkassen an, die an möglichst vielen ärztlichen Diagnosen interessiert sein müssen, weil sie nur so vom krankheitsbezogenen Finanzausgleich des Gesundheitsfonds profitieren. Und das hört bei den Ärzten nicht auf, deren Vergütung ebenfalls mit der Menge der dokumentierten Krankheiten steigt. So lange solche Fehlanreize im System gedeihen können, sollte die Praxisgebühr tabu bleiben.

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