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Lausitzer Rundschau: Krieg der Generäle? Zur Absetzung des US-Kommandeurs McChrystal

Cottbus (ots) - Normalerweise hätte der US-Vier-Sterne-General Stanley McChrystal einen schlichten und schnellen, gar nicht ehrenvollen Abschied verdient. Wer über den eigenen Oberbefehlshaber in Gegenwart eines Journalisten so herzieht, wie der oberste Militär der amerikanischen und der mit ihnen verbündeten Truppen in Afghanistan, der sollte in aller Regel sofort und ohne Rücksprache seines Kommandos enthoben werden. Bei McChrystal aber zögerte zunächst sein Chef im Weißen Haus, und der deutsche Verteidigungsminister übt sich sogar im Fürsprechen. Offenbar kann auf Stanley McChrystal nur schwer verzichtet werden. In Afghanistan wiederholt sich damit etwas, was wir bereits aus dem Irak kennen und was dort zumindest auf den ersten Blick zum Erfolg führte. An die Stelle der politischen Lösungsversuche rückt die Hoffnung auf die militärische Strategie. Dahinter steckt die Annahme, dass zunächst eine Befriedung des Konflikts erreicht werden muss und erst anschließend über die weiteren Perspektiven nachgedacht werden kann. So gesehen ist der Afghanistan-Einsatz nicht nur der USA zunächst ein Krieg der Generäle. Auf sie vor allem scheint es anzukommen und deswegen auch hat ihr Wort entscheidendes Gewicht. Vor diesem Hintergrund ist es auch gar nicht unverständlich, wenn sich einer von ihnen mokiert über Politiker oder Diplomaten, die ihm anscheinend wenig helfen bei der Bewältigung seiner Aufgaben. Tatsächlich aber haben schon im Irak weniger die strategischen und taktischen Fähigkeiten der US-Militärs, sondern vielmehr die großzügig verteilten Millionen Dollar und das erbarmungslose Vorgehen der eingesickerten Terrorbanden den entscheidenden Beitrag zur relativen Befriedung des Landes erbracht. Jetzt zeigt sich allerdings, wie sehr sich inzwischen die Politik bei diesen Militäreinsätzen auf dem Rückzug befindet. Es darf und kann nicht sein, dass Erfolg oder Misserfolg des Engagements in Afghanistan ausschließlich von militärischen Überlegungen abgeleitet wird. Afghanistan ist vor allem eine politische Aufgabe. Der allerbeste Vier-Sterne-Offizier kann die notwendigen politischen Initiativen und Überlegungen nicht ersetzen. Wenn der Krieg in Afghanistan zum Krieg der Generäle wird, ist er schon verloren. Insofern ist das Schicksal von McChrystal von völlig nachrangiger Bedeutung. Und so kommt sein erzwungener Abschied hoffentlich auch als ein Signal, dass die Politik sich auf ihre ureigensten Pflichten bei der Suche nach einem Ausweg besinnt. Der junge deutsche Verteidigungsminister hat im Übrigen gestern seine Lektion abbekommen. Er hat sich in dieser Sache zu weit in fremdes Terrain vorgewagt.

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