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Lausitzer Rundschau: Der Anti-Merkel geht Die Kanzlerin wird Roland Koch noch vermissen

Cottbus (ots) - Angela Merkel ist auf Dienstreise in den fernen Emiraten - und daheim? Daheim schmeißt ihr Parteivize die Brocken hin und stürzt die Union in kräftige Turbulenzen. Typisch Roland Koch, seinen Abgang zu verkünden, während die Vorsitzende weit weg ist, darf getrost als letzte Spitze gegen die ungeliebte Parteifreundin gewertet werden. Der Mann weiß, was er Merkel zu verdanken hat - und was nicht. Der Rückzug von Roland Koch ist respektabel, konsequent, taktisch geschickt, aber vor allem eine Spätfolge der hessischen Verhältnisse, für die er maßgeblich Verantwortung getragen hat. Anfang 2008 wurde er bei den Landtagswahlen von den Wählern so gut wie aus dem Amt gejagt. Nur die Unfähigkeit der Landes-SPD um Andrea Ypsilanti und Neuwahlen knapp ein Jahr später retteten ihm den Job des Ministerpräsidenten. Seit damals wird Koch gewusst haben: Seine Zeit in Hessen ist abgelaufen, er muss rechtzeitig den Weg frei machen, damit sich ein Nachfolger profilieren kann - und hier kommt Berlin ins Spiel. Angela Merkel hat es vermieden, ihren innerparteilichen Rivalen verlässliche Avancen zu machen. Das könnte sich als schwerer Fehler erweisen. Schon bei den Koalitionsverhandlungen hat Merkel sich den Zuschnitt des Kabinetts von der FDP aufdrängen lassen, wodurch es für Koch keinen Platz mehr gab. Auch danach boten sich Gelegenheiten, ihn ins Kabinett zu holen, zuletzt anstelle eines gesundheitlich angeschlagenen Finanzministers Schäuble. Doch die zögerliche Merkel ließ auch diese Chance verstreichen, obwohl der Hesse finanz- und wirtschaftspolitisch einer der wenigen Kompetenten in der CDU-Führung ist. Sein kompletter Rückzug ist somit auch eine Folge von Merkels mangelndem Willen und Mut, ihn im Bund einzubinden. Kochs Abgang ist jedoch kein weiterer Sieg der CDU-Vorsitzenden über einen Kontrahenten. Denn nach Friedrich Merz verliert die Partei ihr letztes politisches Schwergewicht, das wie kein anderes den konservativen Markenkern der Union brutalstmöglich verkörpert hat. Koch war der Mann für die Stammwähler. Mehr noch: Sein Spielen mit Populismus und Ressentiments haben ihn nicht nur zu einem der umstrittensten Politiker in Deutschland werden lassen, sondern auch zu einer Galionsfigur der Rechtskonservativen im Land. Er, der Anti-Merkel, hat diese Wähler an die Union gebunden. Wie und mit wem Merkel diesen Verlust auffangen will, ist völlig offen. Jetzt sind es nämlich die Röttgens, die Gröhes und Pofallas, die den Ton in der Union weithin angeben. Die schneidigen und angepassten Jungs, die eine Mobilisierungswirkung von tendenziell Null haben. Es wird der Tag kommen, an dem Merkel Roland Koch noch vermissen wird. Das ist sicher.

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