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Lausitzer Rundschau: Keine griechische Spezialität Der Streit um die Finanzhilfe für Athen

Cottbus (ots) - Über Griechenland ist hierzulande eine fast chauvinistische Diskussion hereingebrochen: Die faulen Griechen, unser schönes Erspartes, wir wollen die D-Mark wiederhaben, und so weiter. Aber was ist mit den faulen Deutschen, die gerade ihr Haushaltsdefizit um 80 Milliarden Euro erhöht haben, den Italienern, Spaniern und Franzosen? Über die eigenen Verhältnisse leben, Wahlkampfwohltaten verteilen, all das ist doch kein Athener Spezialgericht, sondern europäischer Einheitsbrei, der schon in jeder kleinen Kommune seit Jahren serviert wird, erst recht in Staaten. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und diese Verschuldung korrespondiert seit ebenso vielen Jahren mit überschüssigem Kapital - wieso ist es eigentlich so viel? -, das dringend Anlagemöglichkeiten sucht, und dafür Banken findet, die weder Grenzen noch Skrupel kennen. Zur Not setzen sie gegen Länder. Selbst nach der Finanzkrise wurde über Eindämmungen nur geredet, es wurde nichts beschlossen. Nun ist das Kind in die Ägäis gefallen, denn die Griechenlandkrise ist systemischer als viele denken. Augen zu und durch, anders geht es kaum, wieder einmal. Man sollte nicht auf die Parteien sauer sein, die jetzt einen Teil unseres Vermögens aufs Spiel setzen, um das Ganze zu retten. Man sollte auf die sauer sein, die zulassen, dass sich das permanent wiederholen kann. Ein Fass ohne Boden ist die Griechenlandhilfe nur, wenn nicht endlich europaweit wirksame Schuldenbremsen eingezogen werden, so wie sie Deutschland neuerdings hat. Gepaart mit einer ebenso wirksamen Spekulationsbremse wie etwa einer Finanztransaktionssteuer. Wir warten.

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