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Lausitzer Rundschau: Die Folgen aus der Doping-Sperre gegen Claudia Pechstein Es bleiben Zweifel

    Cottbus (ots) - Es war in den vergangenen Monaten wahrlich nicht einfach, den Fall der Claudia Pechstein einigermaßen objektiv zu begleiten. Die fünfmalige Olympiasiegerin wurde nicht müde, öffentlichkeitswirksam ihre Unschuld zu beteuern. Renommierte und selbsternannte Experten glänzten bald tagtäglich mit Argumenten und Gegenargumenten. Fachbegriffe wie Retikulozyten und Erythropoetin fanden fast schon Zugang in den Allgemeinwortschatz, deren inhaltliche Bedeutung blieb dagegen mit Ausnahme für Mediziner eher nebulös. Fans, Funktionsträger aus Sport und Politik, auch wir Sportjournalisten, verfolgten das Verfahren um die Berlinerin deshalb ebenso gebannt wie einigermaßen ratlos. Fast schon quälend war die Frage: Schuldig oder unschuldig? Für die drei Richter des Internationalen Sportgerichtshofes CAS steht fest: Pechstein bleibt gesperrt, weil die Eisschnellläuferin versucht hat zu betrügen. Verschiedene Rechtfertigungen der Athletin oder auch ein in der Verhandlung genannter medizinischer Hintergrund konnten für die Richter ihre Schuld nicht ausräumen. Das ist ungewöhnlich für einen Indizienprozess. Das Urteil aus Lausanne hat viele Folgen. Pechstein steht jetzt vor dem Karriereende. Der 37-Jährigen bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit ihre sechste Olympia-Teilnahme verwehrt. Daran wird auch der angekündigte Weg durch die Schweizer Rechtsinstanzen nichts ändern. Pechstein droht zudem die Entlassung aus dem Polizeidienst, vom finanziellen und Imageschaden für die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin ganz zu schweigen. Das 66-seitige Urteil des CAS hat aber auch weitreichende Auswirkungen auf den Sport. Der Richterspruch erlaubt künftig, Verstöße über einen indirekten Nachweis zu ahnden. Das wird den Kampf gegen Doping spürbar verändern, den Sportbetrug in Zukunft wieder ein Stückchen mehr erschweren. Wohl auch deshalb hat sich der CAS so lange Zeit gelassen und den Zeitpunkt der Urteilsverkündung gleich mehrfach verschoben. Schließlich stützte sich der Eisschnelllaufweltverband ISU bei seinem zweijährigen Bann im Präzedenzfall Pechstein ausschließlich auf Blutanalysen, konnte dagegen keine positive Doping-Probe der Athletin vorweisen. Individuelle Blutprofile werden somit an Bedeutung gewinnen, gerade in Ausdauer-Sportarten wie dem Eisschnelllauf, Skilanglauf und Radsport. Selbst unter Experten ist aber zurzeit umstritten, welche und wieviele Parameter für einen Doping-Nachweis ausreichen. Für die Zukunft ist deshalb eine der wichtigsten Folgen des Urteils, noch mehr Anstrengungen für zuverlässige Testmethoden und einheitliche Grenzwerte zu unternehmen. Sonst werden Zweifel bleiben. Wie im Fall Claudia Pechstein.

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