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Lausitzer Rundschau: Rückbau für die Zukunft Über das kontrollierte Schrumpfen Hoyerswerdas

    Cottbus (ots) - Es wäre ein Leichtes, die Stadt Hoyerswerda als großen Verlierer der Bevölkerungsentwicklung zu titulieren. Ja, diese Stadt mit ihrem rauen Plattenbau-Charme gehört nicht zu den schönsten in Deutschland. Ja, diese Stadt ist hochverschuldet. Ja, dieser Stadt fehlt es an Großunternehmen, Industrie ist mit wenigen Ausnahmen nicht vorhanden. Dadurch fehlen Tausende Arbeitsplätze. Ja, diese Stadt hat seit den rassistischen Übergriffen im Jahr 1991 in ganz Deutschland ein Negativ-Image, das sie in dieser Generation wohl nicht mehr los wird. Viele Menschen, für die die Stadt inmitten der Lausitzer Kohleindustrie einst Zuhause gewesen ist - Hoyerswerda-Neustadt, die zweite sozialistische Wohnstadt - haben ihr in den vergangenen 20 Jahren den Rücken gekehrt. Das hat nachvollziehbare Gründe. Nach dem Abwickeln der DDR-Energiewirtschaft nach 1990 hat es innerhalb weniger Jahre einen Großteil der Arbeitsplätze in dieser Sparte und dieser Region nicht mehr gegeben. Damit hatte sich Hoyerswerda in seiner Größe selbst überlebt. Das haben dort die politisch Handelnden frühzeitig erkannt. In der Region ist seit Jahren bekannt, dass nicht viel mehr als 25.000 Hoyerswerdaer "übrig bleiben werden" - von einst 75.000 vor der Wende. Die Abwanderungswelle ist keine Überraschung. Diese Informationen müssen Außenstehende haben, wenn sie über die Entwicklung in Hoyerswerda urteilen. Es ist nach wie vor eine lebenswerte Stadt - auch wenn sie mehr und mehr zur Kleinstadt wird. Hoyerswerda kann, allen Unkenrufen zum Trotz, Erfolge vorweisen. Frühzeitig haben sich die Großvermieter darauf verständigt, den Rückbau konsequent voranzutreiben. In kaum einer anderen Stadt Ostdeutschlands ist prozentual so viel zurückgebaut worden wie an der Schwarzen Elster. Hoyerswerda setzt damit Maßstäbe, ist Vorreiter für andere. Natürlich ist es für Alteingesessene schmerzlich, wenn Monat für Monat weitere Plattenbaublöcke abgerissen werden. Auch das ist ein Novum: In kaum einer anderen Stadt geschehen Auf- und Rückbau in dieser Größenordnung innerhalb einer Generation. Wer objektiv durch Hoyerswerda geht, kann problemlos erkennen, dass sich die Stadt in Richtung Zukunft entwickelt. Ein Großteil der verbleibenden Bauten aus DDR-Zeiten ist saniert, die Stadt verfügt über eine Kultur- und Sportszene, sie bleibt nach wie vor ein Schulzentrum. Das heißt: Sie ist trotz des Schrumpfens weiterhin bedeutend. Die Schriftstellerin Brigitte Reimann, die von 1960 bis 1968 in Hoyerswerda lebte, hat in den 60er-Jahren aufgrund der vielen Frei- und Bauflächen provokant gefragt, ob man in Hoyerswerda küssen könne? Heute lässt sich sagen: Ja, man kann.

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