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Johnnie To: "Ich zeige, wie Gangster wirklich ticken."

Johnnie To: "Ich zeige, wie Gangster wirklich ticken."
Hongkongs Regiestar Johnnie To am Set von 'Fulltime Killer': Johnnie To (unten, Mitte) am Set von 'Fulltime Killer'. Abdruck honorarfrei bei Sendehinweis auf Tele 5 bis 2 Tage nach Ausstrahlung. Verwendung nur mit Copyrightvermerk.

    München (ots) -

    - Querverweis: Bildmaterial wird über obs versandt und ist
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    4 x Johnnie To auf Tele 5 jeweils freitags am...

    ... 11.09., 23.50 Uhr Election ... 18.09., 23.25 Uhr Election 2 Free-TV-Premiere ... 25.09., 00.00 Uhr Fulltime Killer Free-TV-Premiere ... 02.10., 20.15 Uhr Running out of Time 2

    Hongkongs Regiestar im Tele 5-Interview über die chinesische Mafia, ehrlose Rituale, Enthüllungen beim Essen und Kino als Nahrungsmittel

    Tele 5: Mr To, was treibt Sie an als Filmemacher?

    Johnnie To: Ich versuche Coolness und Romantik zu verbinden. Männerromantik funktioniert nur, wenn auch Coolness dabei ist. Aber Coolness ist nicht Kälte, ganz im Gegenteil - das wird oft verwechselt.

    Ihre Filme scheinen stark vom europäischen Gangsterkino beeinflusst, vor allem von den Filmen Jean-Pierre Melvilles.

    Natürlich ist Melville ein großes Vorbild für mich. Ohne ihn hätte ich einen Film wie 'Fulltime Killer' niemals machen können. Ich bin auch ein großer Bewunderer von Alain Delon. Ich hoffe, dass er mal in einem meiner Filme mitspielt.

    In Ihren Filmen essen die Leute immer sehr viel. Auch Gangster, Killer und Polizisten sind dort oft gute Köche. Können Sie die Bedeutung des Essens in Ihren Filmen erklären?

    Wenn mehrere Leute um einen Tisch herum sitzen und essen, dann ist das etwas sehr Emotionales. Eine Spannung zwischen Figuren kann sich aufbauen oder entladen. Essen hat etwas sehr Ehrliches und Enthüllendes: Wie man isst, ob man schnell isst oder genießt. Und wer sich als erster nimmt, wer anderen das Essen auf den Teller tut - das alles verrät auf eine einfache, alltägliche Art viel über soziale Hierarchien und die Beziehungen der Charaktere.

    Und das Kochen?

    In China können alle Menschen kochen. Nicht immer gut [Lacht], aber mit viel Liebe. Und wenn es mir gelingt, einen Menschen in der Selbstvergessenheit des Kochens zu zeigen, dann kann ich seinen Charakter enthüllen. Das ist natürlich mein Ziel als Filmemacher.

    Andererseits gibt es viel Gewalt in ihren Filmen, zugleich in sehr verschiedener Form. Können Sie das erklären...

    Bei einem Killer ist die Gewalt klar. Gradlinig, geplant und direkt - es geht um Mord. Ein Kampf zwischen Gangstern ist spontan, ungeplant und dadurch viel blutiger. Bei der Polizei ist Gewalt begrenzt durch die Gesetze, sie ist in der Regel defensiv. Die Gewalt von Mafiaclans, Politikern oder Wirtschaftsbossen ist in der Regel indirekt. Man erzeugt Furcht durch Kontrolle und Drohungen. Wenn man Waffen braucht, ist schon etwas schief gegangen. Und dort machen die Täter die Schmutzarbeit nicht selber.

    Gute Gangster haben Ehrbegriffe, böse Gangster denken nur ans Geld - ist das die Moral ihrer Gangsterfilme?

    Meine Filme handeln oft von Ehre. Aber in 'Election' haben die Gangster keine Ehre mehr, nur noch Rituale. Regeln die sie befolgen, bis sie sie brechen. Die 'Election'-Filme zeigen die Wirklichkeit; sie zeigen, wie sich Gangster wirklich bewegen und benehmen, wie sie ticken. Darum wird hier nicht geschossen.

    Wie lange brauchen Sie für einen Film?

    Wir drehen drei Wochen im Durchschnitt. Meine Filme sind, auch wenn sie weltweit vertrieben werden, immer noch Independent-Produktionen. Das heißt, sie werden auf der Straße gedreht, so wie einst die Nouvelle Vague ihre Filme machte.

    Sie arbeiten, wie man hört, oft auch ohne festes Drehbuch. Warum?

    Meine Schauspieler spielen "day by day". Sie bekommen schon ein Drehbuch, aber kein sehr detailliertes. Mir ist es sehr wichtig, dass sie vor der Kamera stehen und durch den Zufall herausgefordert werden.

    Sie drehen nicht, wie inzwischen sehr viele Kollegen, auf Digitalmaterial, sondern auf teurem 35mm-Film und im Breitwandformat...

    Wissen Sie: Ich bin ein gläubiger Anhänger der Religion des pure Cinema, des reinen Kinos. Ich glaube wirklich, dass die Bilder selbst die gesamte Geschichte erzählen können. Je größer die Leinwand ist, umso besser. Darum Cinemascope. Das Publikum in Hongkong ist sehr anspruchsvoll. Es würde schlechte Bilder nicht verzeihen. Kino ist für uns ein tägliches Nahrungsmittel.

    Interview: Rüdiger Suchsland

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