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Anthony Hopkins im Tele 5-Interview: "Nie wieder Hannibal"/ "Ich will keine Schurken mehr spielen"

Anthony Hopkins im Tele 5-Interview: "Nie wieder Hannibal"/ "Ich will keine Schurken mehr spielen"
Bobby Garfield (Anton Yelchin) ist elf Jahre alt und wächst ohne Vater auf. Auch seine Mutter kümmert sich mehr um sich als um ihn. Eines Tages zieht ein älterer Herr namens Brautigan (Anthony Hopkins) in die Wohnung über Bobby und wird ihm schnell zum väterlichen Freund.

    München (ots) -

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    Oscarpreisträger Sir Anthony Hopkins im Tele 5-Interview über Streits mit Regisseuren, seine schwierigste Rolle und den Segen des Alters.

    Tele 5 zeigt am 5. Mai um 20.15 Uhr 'Hearts in Atlantis' mit Anthony Hopkins

    Tele 5: Sie werden dieses Jahr 72. Das verändert auch die Rollen, die beruflichen Möglichkeiten. Wie gehen Sie damit um?

    Anthony Hopkins: Nun... Ich fühle mich ja nach wie vor jung, jung im Herzen, obwohl ich alt werde. Ich bin ein bisschen sanfter geworden. Ich denke, wenn man älter wird, wird man auch sensibler und bekommt eine bessere Perspektive auf gewisse Dinge. Vor ein paar Jahren habe ich herausgefunden, dass es der Regisseur ist, der die Verantwortung für einen Film trägt. Davor habe ich mich immer mit Regisseuren gestritten, zum Teil ganz schlimm, Schreiereien am Set und so.

    Wenn Sie auf sich selbst zurückschauen, wie Sie als junger Mann waren: Würden Sie sagen, Sie waren ein Hitzkopf?

    Ja, ein bisschen.

    Sind Sie stolz darauf? Oder schämen Sie sich?

    Ich bedaure nichts. Wenn man jünger ist, hat man eine Menge Ideen und ist viel unsicherer. Die Schauspielerei ist eine Arbeit, die unglaublich verunsichert, wenn man sich nicht völlig vor der Außenwelt verschließt. Solche Typen kenne ich natürlich auch. Das ist mir aber eher unsympathisch, dieses heilige Auf-hohem-Sockel-Sitzen. Ich arbeite viel mit jüngeren Schauspielern zusammen und kann alle ihre Unsicherheiten sehen. Ich mache mich darüber nicht lustig, weil ich weiß, was sie durchmachen. Wenn man älter wird, denkt man: Es ist nur ein Film, keine Gehirnoperation. Ich mache meinen Job, dafür werde ich bezahlt, und ich bin immer gut vorbereitet. Wenn ich am Set auftauche, bin ich entspannt und irgendwie läuft es dann schon. Ob das Ganze dann gut oder schlecht wird, weiß ich nicht, ich war schon in einigen schlechten Filmen, und habe trotzdem gut gespielt. Ich bin vor vielen Jahren auf diesen Zug namens Show-Business aufgesprungen und noch immer unterwegs. Es war also eine angenehme Reise.

    Sie haben mal gesagt, Sie wären aus Dummheit Schauspieler geworden, Sie hätten sich für nichts interessiert...

    Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe wahrscheinlich nur gesagt, dass ich nicht wusste, was ich nach der Schule machen sollte. Darum bin ich Schauspieler geworden. Ich hatte keine besondere Begabung. Akademisch war ich nicht gut. Ich war eher langsam. Andere Kinder in der Schule taten sich viel leichter. Wir hatten einen, der war ein richtiges Genie; ich weiß nicht warum, aber er endete als Lastwagenfahrer. Ich hasste ihn! [Lacht] Er hat nie seine Hausaufgaben gemacht und trotzdem alles gewusst. Ich hatte diese Verstandesstrukturen nicht - wir sind alle anders, denke ich. Einige sind Musiker, einige Lastwagenfahrer, Journalisten, Schauspieler...

    Hat sich Ihre Herangehensweise an Rollen mit der Zeit geändert?

    Ich habe seit jeher die gleiche Methode. Ich komme vom Theater. Also lerne ich erst einmal die Dialogsätze. Ganz wörtlich, bis ich jedes Wort auswendig kann. Ich lese das ganze Drehbuch höchstens zweimal, dann geht es nur noch um meine eigenen Sätze. Ich versuche so eine Art Rhythmus in meinen Kopf zu kriegen, und daran merke ich, was gut funktioniert, und was noch nicht. Bei manchen Passagen denke ich dann: "Das ist interessant", und überlasse ihnen das Feld, sie können mich in neue Gegenden bringen. Mit der Zeit beginne ich dann, mich wie ein anderer zu fühlen oder besser gesagt ein anderes Stück von mir selbst zu benutzen.

    Ist Rhythmus der Hauptweg, um sich Ihre Rollen anzueignen?

    Ich vermute das. Ich analysiere das eher nicht, aber als kleines Kind begann ich Klavier zu spielen. Eine Zeit lang wollte ich Musiker werden. Das sage ich jetzt, im Rückblick - ich weiß nicht mehr, wie sehr ich das wirklich wollte. Ich habe keinerlei Technik, aber das Klavier spiele ich bis heute, und ich improvisiere gern.

    Sie haben sich mit dem experimentellen Film 'Slipstream' auch als Regisseur versucht

    Das Script habe ich ohne alle Erwartungen geschrieben. Es war eine Kreativitätsübung zum eigenen Vergnügen, einfach so, zur inneren Befriedigung. Während ich es schrieb, dachte ich mir nur: Was soll schon passieren, wenn ich ein schlechtes Script schreibe? Stecken sie mich ins Gefängnis? Wenn man ohne Furcht oder Erwartungen ist, kann man alles tun.

    Haben Sie eigentlich ein Vorbild unter Ihren Schauspielerkollegen?

    Unbedingt! Richard Burton war immer schon mein Vorbild. Er war Waliser wie ich und kommt aus der gleichen Stadt. Ich wollte so werden wie er.

    Sie haben oft dunkle, abgründige Rollen gespielt: Natürlich "Hannibal the cannibal", Hitler, den Glöckner von Notre Dame, Nixon, Othello, Titus Andronicus, den König Heinrich II.... Welche war bisher Ihre schwierigste Rolle?

    Nixon. Ich wollte das erst nicht spielen. Da kam Oliver Stone nach England, ich hatte schon abgelehnt, und er wollte mich trotzdem treffen. Es war an einem Morgen im Hyde Park Hotel. Er sagte: "Du kneifst, was?" Und ich hatte einen Augenblick der Klarheit: Ich begriff, dass ich die Wahl hatte, in England zu bleiben und nette langweilige Rollen in BBC-Filmen zu spielen, oder in die USA zu fliegen und mit diesem verrückten Regisseur zu arbeiten. Und entweder aufs Kreuz zu fallen, oder einen Erfolg draus zu machen. Ich dachte: "Okay, ich riskiere es." Und ich erinnere mich, wie ich das Drehbuch lernte und dauernd dachte: "Was habe ich getan? Was für ein Alptraum!" Dann flog ich nach Kalifornien ins Studio, wir hatten die ersten Proben, und ich begriff, dass ich mich in den Händen eines großartigen Regisseurs befand.

    Sie sind weltberühmt geworden als Hannibal Lecter. In der Filmgeschichte wird das vermutlich die "Rolle seines Lebens" sein. Ist Hannibal Lecter heute eine Bürde für Sie?

    Ich bin eigentlich ein ganz glücklicher Mensch, darum will ich nicht mehr so gern Schurken spielen. Mit Hannibal bin ich durch. Aber ich denke, er wäre ein hochinteressanter Gesprächspartner beim Esssen - vorausgesetzt, man ist dieses Essen nicht gleich selber. [Lacht grimmig]

    Interview: Rüdiger Suchsland

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