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Tim Burton: "Ich empfand meine Umwelt wie die Nacht der lebenden Toten" - Free-TV-Premiere auf Tele 5: 'Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche', Sa., 27.09, 20.15 Uhr

Tim Burton: "Ich empfand meine Umwelt wie die Nacht der lebenden Toten" - Free-TV-Premiere auf Tele 5: 'Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche', Sa., 27.09, 20.15 Uhr
Johnny Depp und Helena Bonham Carter als reale Vorbilder von Victor und Emily in "Tim Burtons Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche", Free-TV-Premiere am 27.09.2008, 20.15 Uhr auf Tele 5. Im Interview spricht Regisseur Tim Burton über seine Vorlieben für Gruselstorys und dunkle Klamotten. Abdruck honorarfrei bei Sendehinweis auf Tele 5 bis ...

    München (ots) -

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    Tim Burton (50) im Interview mit Tele 5 über seine Vorlieben für den Tod, dunkle Kleidung und Johnny Depp.

    Tele 5: 'Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche' ist nach 'Nightmare before Christmas' Ihr zweiter Puppentrickfilm. Haben Sie schon als Kind gern mit Puppen gespielt?

    Tim Burton: Das nicht, aber ich habe schon immer gern Monsterfilme gesehen, besonders die von Ray Harryhausen. Stop-Animation-Filme wie 'Sindbads siebente Reise' oder 'Die geheimnisvolle Insel' haben ganze Generationen von Filmemachern inspiriert - auch mich. Seine Plastikkreaturen hatten für mich immer mehr Persönlichkeit als die echten Darsteller, und ich fand es jedes Mal tragisch, wenn sie sterben mussten.

    Um das Thema Tod geht es wie in vielen Ihrer Filme auch in "Corpse Bride". Warum fühlen Sie sich davon so angezogen?

    Ich bin in einem Vorort von Burbank, Kalifornien, aufgewachsen. Ein Sonnenstaat - und trotzdem empfand ich meine Umwelt wie die Nacht der lebenden Toten. Alles war so ernst und geordnet, über den Tod sprach man schon gar nicht, weil er als etwas Schlimmes empfunden wurde. Da ich aber nahe der Grenze zu Mexiko wohnte, war ich fasziniert, wie man dort mit Tod umging. Es gibt sogar einen ganzen Tag, an dem die Toten gefeiert werden mit Skeletten, Tanzen und Singen. Ein sehr humorvoller Umgang, der mich immer angesprochen hat.

    Hat das auch damit zu tun, dass man Sie stets in schwarzer Kleidung antrifft?

    Da steckt keine Bedeutung hinter. Ich mache mir nur nichts aus Kleidung. Ich will beim Aufstehen nicht erst überlegen müssen, was ich heute anziehen soll und auf welche Farbe ich Lust habe. Ich kleide mich Schwarz, um mehr Ruhe und Zeit für andere Dinge zu haben. Manchmal lasse ich mir von einem T-Shirt sogar zehn anfertigen, um mich damit nicht weiter belasten zu müssen.

    Inzwischen leben Sie in London, wo es kälter und dunkler ist als in Kalifornien...

    Na und? Ich hatte genug vom schönen Wetter. Außerdem gehe ich gern spazieren. Wenn man in Los Angeles durch die Straßen läuft, wird man sofort schief angeguckt. Man wird gleich für einen Obdachlosen gehalten und von der Polizei gestoppt. In Los Angeles ist ein Spaziergang anscheinend nicht erlaubt.

    Die meisten Filme drehten Sie in echten Kulissen. 'Corpse Bride' ist im Stop-Animation-Verfahren entstanden. Würden Sie sich als einen altmodischen Filmemacher bezeichnen?

    Ich habe nichts gegen die technischen Errungenschaften beim Film und nutze sie, wenn es nicht anders geht. Aber wenn ich ehrlich bin, mag ich die Art wie man Filme früher gedreht hat. Bei echten Kulissen hat man eine viel stärkere emotionale Bindung zu dem Ganzen, als wenn später alles am Computer einkopiert wird. Für 'Corpse Bride' brauchten wir über zehn Jahre, weil es immer schwieriger wird, Leute zu finden, die das alte Stop-Motion-Handwerk noch verstehen. Das ist eine traurige Entwicklung.

    Sie haben Ihre Karriere als Zeichner bei Disney begonnen. Was sagen Sie dazu, dass man den Zeichentrickfilm mittlerweile für tot erklärt hat?

    Das ist absurd! Das zeigt doch nur, wie eingeschränkt manche Leute im Denken sind, besonders in Hollywood. Tatsache ist doch, dass nur einer kommen muss und wieder einen ganz großen Zeichentrickfilm macht, und schon werden alle Studios ihre Zeichentrickabteilungen wieder aktivieren. Computeranimierte Filme sind zurzeit deshalb so gefragt, weil Pixar damit so erfolgreich ist. Dafür gibt es einen Grund, und zwar nicht der, dass sie am Computer arbeiten, sondern weil sie großartige Filme machen. Es ist verkehrtes Denken, was da gerade in Hollywood passiert.

    Halten Sie sich lieber in der Wirklichkeit oder in Ihrer eigenen Phantasiewelt auf?

    In meiner Phantasie habe ich oft Realität gefunden. Man sagt, Träume sind unwahr, aber im Unterbewusstsein können sie ziemlich echt sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass man beides hat. Manchmal ist die phantastische Welt sogar die realere Welt, weil das Unterbewusstsein stärker ist. So haben mich etwa in meiner Kindheit die alten deutschen Stummfilme wie die von Fritz Lang geprägt, weil sie weit von der realen eintönigen Welt um mich herum entfernt waren und mir so als Fluchtmöglichkeit dienten.

    Muss man einen Teil seiner Kindheit bewahrt haben, um solche Filme wie Sie drehen zu können?

    Kinder haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Erwachsenen: Sie sehen die Welt immer wieder mit neuen Augen. Das ist eine großartige Sache, und jeder Künstler versucht, seine Welt auf diese wunderschöne Weise wieder zu entdecken. Das sollte man sich bewahren. Gerade in einer Zeit, die von Technologie und Erfolg geprägt wird. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, gründen Familien und verlieren dabei nicht selten den Sinn für Tagträume oder die Gabe, seine Welt mal von einer anderen Perspektive zu betrachten.

    Sie haben zuletzt mit 'Sweeney Todd' ein Bühnenmusical verfilmt, das Sie schon vor über 20 Jahren in London gesehen haben. Was hat Sie damals so fasziniert, dass Sie daraus einen Film machen wollten?

    Mich faszinierte, dass die Geschichte allein durch den Gesang erzählt wird. Das fühlte sich an wie ein Stummfilm mit Musik, durch die alle Emotionen getragen werden. Genau das interessierte mich, weshalb ich auch beim Film mit möglichst wenigen Sprechdialogen auskommen wollte, was eher dem klassischen Leinwandmusical entsprochen hätte.

    Wieder haben Sie Johnny Depp für die Hauptrolle gewonnen, mit dem Sie bereits zum sechsten Mal zusammenarbeiteten. Kann er Sie überhaupt noch überraschen?

    Auf jeden Fall! Jeder Film bringt etwas Neues in Johnny hervor, ganz besonders dieser. Denn einen singenden Johnny Depp hat die Welt noch nicht erlebt. Wir kennen uns nun schon so lange, und was uns verbindet, ist das Gefühl, Außenseiter zu sein. So fühlte ich mich schon als Kind, und als ich erstmals Johnny traf, der damals ein Teenageridol war, spürte ich instinktiv, dass er sich innerlich ganz anders fühlte als ein beliebter Filmstar.

    Neben der Filmarbeit schreiben Sie auch Kurzgeschichten, die in dem Buch "The Melancholy Death of Oyster Boy and other Stories" zusammengefasst wurden. Werden Sie in diese Richtung weiterarbeiten?

    Ich sitze bereits an einigen Geschichten, habe aber das Pech, dass ich noch nicht so viele zusammen habe, um damit noch ein weiteres Buch zu füllen. Ich werde aber weiter dranbleiben und zwischen meinen fertigen Filmen immer mal wieder zum Stift greifen. Das entspannt mich, aber ich will mir selbst keinen Druck machen.

    Interview: Markus Tschiedert

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