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"Der Ehren-Oscar stinkt nach Leiche!" Oscarpreisträger und Leinwandlegende Peter O'Toole im exklusiven Tele 5-Interview über den Segen von Schubladen, seinen Ruf als Playboy und die Särge seiner Freunde

"Der Ehren-Oscar stinkt nach Leiche!"

Oscarpreisträger und Leinwandlegende Peter O'Toole im exklusiven Tele 5-Interview über den Segen von Schubladen, seinen Ruf als Playboy und die Särge seiner Freunde
Ein fantasievoll erzähltes und liebevoll inszeniertes, mit Oscar®-Preisträger Peter O'Toole (als Sir Arthur Conan Doyle) und Hollywood-Star Harvey Keitel (als Harry Houdini) brillant besetztes Fantasy-Märchen. Am 02.8.2008, 14.30 Uhr auf Tele 5. Ab 14.8.2008 als DVD im Handel erhältlich (Concorde Home Entertainment, Reihe Concolino) / ...
München (ots) - Zu Peter O'Tooles 76. Geburtstag am Samstag, 2. August zeigt Tele 5 um 14.30 Uhr 'Fremde Wesen' (ab 14.8.2008 auch als DVD im Handel (Concorde Home Entertainment) Tele 5: 2003 haben Sie nach sieben Nominierungen endlich einen Oscar bekommen - für ihr Lebenswerk. War die Auszeichnung denn eine Genugtuung? Peter O'Toole: Im Gegenteil, es war eine Beschämung! Dieser Lebenswerk-Oscar geht meistens an diejenigen, gegenüber denen die Oscar-Academy ein schlechtes Gewissen hat. Ich fühle mich schon geehrt, klar, jeder will den Oscar einmal bekommen. Aber der Ehren-Oscar ist eine Auszeichnung, die immer ein bisschen von Leichengeruch umweht ist. Sie stinkt! Ohne es auszusprechen, sagen sie einem damit: Du bist jetzt fertig! Du kannst abtreten! Aber ich habe keineswegs Lust abzutreten. Ich arbeite noch und ich arbeite gern. Ich sitze hier vor Ihnen, und bin doch ganz lebendig, oder? Gewiss... ... ja und darum wollte ich den Preis zunächst ablehnen. Ich will nicht beerdigt werden, ich habe es schon öfters gesagt: Ich laufe lieber hinter dem Sarg meiner Freunde her, als selber darin zu liegen. Also soll auch keiner nachhelfen... [Lacht] Aber ich habe dann gedacht: Es wäre auch versnobt und arrogant, abzulehnen, genau wie ein typischer Engländer. Aber auch wenn viele glauben, ich sei Engländer, bin ich eigentlich Ire. Wussten Sie das? Ich habe es gelesen, ja... Sehen Sie! Ich wurde in Connemara geboren. Darum kann ich auch nie von der britischen Queen zum Ritter geschlagen werden. Das ist auch so eine Art Ehren-Oscar. Aber ich hätte nichts dagegen, ein Lord zu sein. Können Sie es eigentlich noch ertragen, wenn man Sie auf Lawrence of Arabien" anspricht? Jetzt tun Sie es ja gerade! [Lacht] Ist schon gut, jeder tut es. Diese Rolle verfolgt mich mein Leben lang. Ich habe damit gehadert, aber die Zeiten sind längst vorbei. Natürlich will man als Schauspieler vielseitig sein, und nicht in Schubladen gesteckt werden, aber genaugenommen muss man froh sein, wenn die Leute bei dem eigenen Namen an eine eigene Schublade denken. Stellen Sie sich vor, Bruce Willis sagt, er will keine Bruce Willis-Filme mehr machen, sondern Intellektuelle spielen. Mein Leben ist viel besser verlaufen, als ich es früher erwartet hätte. Ich wusste zwar bald, dass ich ein ganz anständiger Schauspieler bin. An Filme hatte ich damals aber nie gedacht. Ich hatte ein langes gutes Leben als Schauspieler, und der Weltruhm mit den Filmen kam noch obendrauf. Sie haben auf der Theaterbühne begonnen. Was haben Sie daran für Erinnerungen? An die Anfangszeit keine guten: Es war 1955, ich war Anfang 20 und spielte in einem Stück von Thornton Wilder das 'The Matchmaker' heißt - einen Taxifahrer! Ich hatte einen Satz: "Wohin möchten Sie?" In Tschechows 'Onkel Vanya' hatte ich dann etwas mehr zu sagen: "Dr. Astrov, die Pferde sind fertig!" Ich habe die Interpretation dieser Rolle nach Josef Stalin designed und den Satz gebellt. [Lacht] Jetzt, mit über 70, übernehmen Sie immer noch Kinorollen. Etwa in Wolfgang Petersens 'Troja'. Später haben Sie sich dann über den fertigen Film beschwert. Warum? Na ja, weil er ganz viele Szenen mit mir herausgeschnitten hat. Der fertige Film war nicht so gut wie er hätte sein können. Nur noch Schlachten, keine Dialoge und Charakterentwicklung. Nun spiele ich da den alten König Priamos, der natürlich nicht selber kämpft. Also war ich kaum im Film, nur ein Name auf dem Plakat. Shakespeare hat das in seinen Königsdramen besser gemacht. Da gibt es auch Gemetzel, aber man weiß noch, wer gegen wen und warum. Petersen hat es später ja auch zugegeben, dass er im Stress den Überblick verloren hatte, und das Ganze aus den Augen verlor. In seinem Director's Cut ist die Ökonomie viel besser, und es sind auch mehr Szenen mit mir im Film. Sie hatten mal den Ruf, ein großer Playboy zu sein. Das ist länger her. Ich hab viel getrunken und auch sonst mein Leben genossen. Es hat Spaß gemacht. Daher habe ich den Ruf weg. Vieles an den Gerüchten ist Legende, reiner Mythos. Aber dagegen zu protestieren ist auch nicht klug. Ich habe gern Gesellschaft. Aber auch wenn ich allein bin, habe ich gute Gesellschaft. Interview: Rüdiger Suchsland Textrechte: ©Presse Tele 5 Pressekontakt: Tele 5 Pressestelle: Michaela Simon, Tel. 089-649 568-175/-176, E-Mail: presse@tele5.de, Informationen und Bilder zum Programm auch auf www.tele5.de in der Presselounge Original-Content von: Tele 5, übermittelt durch news aktuell

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