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"Als Europäer ist man entweder der Schurke oder man muss sich ausziehen." Julia Ormond im exklusiven Tele 5-Interview über...

"Als Europäer ist man entweder der Schurke oder man muss sich ausziehen."

Julia Ormond im exklusiven Tele 5-Interview über...
Als junges Mädchen kommt Katharina (Julia Ormond) von Preußen nach Russland. Als Fürstin gewinnt sie die Herzen ihres Volkes. Und als Zarin verändert sie ganz Europa. "Die junge Katharina", Teil und 2, Montag, 11.08.2008, ab 20.15 Uhr / Abdruck honorarfrei bei Sendehinweis auf Tele 5 bis 2 Tage nach Ausstrahlung. Verwendung nur mit ...
München (ots) - ...ihren neuen Film 'Unter Kontrolle', böse Polizisten, den Dreh mit David Fincher und den Satz "Ich liebe dich". Tele 5 zeigt am Montag, 11. August um 20.15 Uhr den Zweiteiler 'Die junge Katharina' mit Julia Ormond Tele 5: Julia Ormond, zu Deutschland haben Sie ja engere Beziehungen. Julia Ormond: Ja, mein bisher berühmtester Film, 'Fräulein Smillas Gespür für Schnee', war eine deutsche Produktion. Und auch mit Katja von Garnier habe ich einen Film gemacht. Bekannt wurden Sie zuerst mit 'Die junge Katharina', können Sie sich noch erinnern? Natürlich. Für mich war das eine wichtige Rolle. Die erste größere Hauptrolle. Das hat Spaß gemacht, und meine Begeisterung für Russland hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Zehn Jahre später habe ich dann in einem russischen Film mitgespielt, 'Der Barbier von Sibirien'. Was ist das Geheimnis der Schauspielkunst? Was unterscheidet gute von hervorragenden Darstellern? Das Seltsame an der Erfahrung als Kinozuschauer ist für mich: Bei einem wirklich guten Schauspieler hat man das Gefühl, dass man mit dieser Person im gleichen Raum ist. Es ist intim. Zugleich ist jeder anders, und jede Szene anders. Routine ist die größte Gefahr. Wir haben solche Übungen an der Schauspielschule gemacht: Nimm den Satz: "Ich liebe Dich". Den kann man auf 100 verschiedene Weisen aussprechen. Und jedes Mal, wenn man einen Dialogsatz ausspricht, klingt er anders. Es wäre einmal ein interessantes Experiment: Nehmen Sie das exakt gleiche Drehbuch, und lassen Sie es durch fünf verschiedene Regisseure verfilmen. Sie erhalten am Ende fünf ganz verschiedene Filme. In letzter Zeit hat man Sie wenig auf der Leinwand gesehen. Warum? Mir ging es plötzlich so, dass ich in einer Schublade gelandet war. Ich hatte das zuerst gar nicht so gemerkt. Aber es fiel mir auf, als Journalisten in Interviews plötzlich fragten: "So hier sind Sie ja schon wieder eine Frau zwischen zwei Männern." Und ich dachte: Moment, das eine war ein Cowboyfilm, das nächste eine Romantic Comedy, dies ist ein Kinderfilm... Und dann fängt man an, neue Drehbücher daraufhin zu überprüfen, und lehnt bestimmte Rollen ab. Und manche Filme haben sich schlechter entwickelt als erwartet: Nach 'Der erste Ritter' haben sie leider nie 'Den zweiten Ritter' gedreht [lacht]. Natürlich würde ich sehr gern mal wieder einen großen Hollywoodfilm drehen. Immerhin habe ich zuletzt einiges gemacht: Die letzten zwei Jahre hatte ich mit 'Inland Empire' von David Lynch zu tun. Die Familie Lynch ist schon sehr besonders. Da ich mit beiden gearbeitet habe, kann ich das so sagen: Beide, David und Jennifer Lynch haben sehr persönliche Künstlerstimmen. Und sie pflegen sie. Sie sind ehrlich und konsequent. Und sie haben die Fähigkeit, ihre Idee auch unverfälscht rauszulassen, schamlos sozusagen, ohne Selbstzensur. Ich finde das außerordentlich. Jennifer hat ein sehr kraftvolles, sehr realistisches, sehr rohes Drehbuch geschrieben. 'Unter Kontrolle' ist sehr Jennifer! In 'Unter Kontrolle' (Kinostart 31.07.) von Jennifer Lynch spielen Sie die Hauptrolle. Produziert hat den Film ihr Vater David Lynch. Wie kamen Sie zu diesem Projekt? Ich habe ja wie gesagt zuerst bei David Lynch in 'Inland Empire' gespielt. Und über meinen Manager bekam ich das Drehbuch von Jennifer in die Finger. Es war einer dieser komischen Momente: ich war ganz sicher: Diese Rolle würde ich nie kriegen, die liegt so fern von allem, was ich bisher gespielt habe. Und genau darum hatte ich den Mut, David Lynch anzusprechen. Ich hab ihm gesagt: ich würde gern in dem Film mitspielen. Er fragte zurück: "Welche Rolle denn?" Ich: "Die Neunjährige." [Lacht] Normalerweise hört man, wenn man sich selbst bewirbt, nie wieder etwas. Aber in diesem Fall habe ich mich dann mit Jennifer getroffen, und sie um die Rolle regelrecht angebettelt. Warum haben Sie eigentlich nicht damit gerechnet, diese Rolle zu bekommen? Weil ich selten moderne amerikanische Charaktere spiele - als Engländerin. Und schon gar keine FBI-Agentin. Wissen Sie: Ich bin ja jetzt schon eine ganze Weile in dem Geschäft. Und als Europäer in Hollywood, noch dazu als Frau, ist man normalerweise entweder der Schurke, oder man muss sich ausziehen. Und wenn man wie ich noch dazu sehr klassische Stoffe spielt, in Theaterverfilmungen und in Kostümfilmen, dann ist es doppelt schwer, eine moderne amerikanische Figur zu bekommen. Darauf musste ich lange warten. Wie war die Zusammenarbeit? Jennifer Lynch hat es wirklich geschafft, die Euphorie und Leidenschaft in der Beziehung zwischen meiner Figur und der von Bill Pullman wach zu halten. Das Wundervolle war, wie sehr sie jeden einzelnen Augenblick am Set genossen hat. Es ist so kräftezehrend, Regisseur zu sein, und Jennifer war so großzügig. Verschiedene Leute am Set haben verschiedene Weisen zu arbeiten. Es ist nicht immer dasselbe. Es war soviel Herz in dieser Arbeit. Das hat man gespürt, und das ist keineswegs immer der Fall. Oft passiert es, dass irgendeiner am Set beleidigt ist, und sich in seiner Kreativität ausgebremst fühlt. Dann lehnt er sich innerlich zurück und arbeitet nur noch passiv. Dieses Gefühl kann alles infizieren. Die emotionale Beteiligung fehlt. Das fühlt man im Raum. Diese Arbeit war nicht "nur ein Job". Dieser Typ Film und sein ganzer sarkastischer Grundton sind für mich sehr anregend und spannend. Das ist ein Film, den ich als Zuschauerin wirklich gern sehen würde. 'Unter Kontrolle' entwirft ein sehr boshaftes Bild der Polizei... Voller Willkür und Sadismus... Das gibt es im wahren Leben: Leute, die Macht haben, missbrauchen sie. Ich habe einen Freund gefragt, der Polizeiführer ist, was das Schwierigste sei an der Arbeit auf solchen kleinen Polizeistationen. Ich dachte, er erzählt mir etwas über Einsamkeit oder Furcht. Aber er meinte: Das Schwierigste ist, dafür zu sorgen, dass es den Jungs nicht langweilig wird. Denn wenn sie sich langweilen, machen auch Polizisten Unsinn. Und entwickeln sich in einer Weise, die ihnen und ihren Mitmenschen nicht gut tut. Was passiert mit Menschen psychologisch, die dauernd mit Gewalt umgehen müssen? Das kann nicht folgenlos bleiben. In den USA leben ganz viele Vietnam-Veteranen als Obdachlose auf der Straße. Weil sie mit ihren Gewalterfahrungen nicht fertig werden, und weil keiner weiß, was man mit ihnen machen soll. Den Irakkriegskämpfern wird es ähnlich gehen. Haben Sie selbst auch vor, einmal die Seiten zu wechseln? Ich würde wirklich gerne Regie führen, und ich habe auch schon ein paar Dinge in dieser Richtung versucht. Aber es ist sehr leicht zu scheitern. Als Schauspielerin in den USA kann man kaum Regisseurin werden. An was für einen Film hatten Sie denn gedacht? Das sage ich Ihnen nicht. Das hab ich gelernt, dass man das besser für sich behält. Aber wissen Sie: Wenn man ein paar Jahre als Schauspieler arbeitet, und immer mehr Erfahrung hat, auch die verschiedensten Regisseure bei ihrer Arbeit beobachtet, dann bekommt man nicht nur Lust, sondern auch mehr Selbstbewusstsein, es einmal selber zu probieren. Zuletzt haben Sie im neuen Film von David Fincher mit Brad Pitt in der Hauptrolle gespielt ('Der seltsame Fall des Benjamin Button'). Können Sie schon etwas verraten? Er war ein wunderbarer Regisseur. Ich spiele Cate Blanchetts Tochter - sie soll im Film 80 Jahre alt sein. Cate ist brillant. Es war so ein Spaß, mit einer unprätentiösen Schauspielerin zu arbeiten, die pünktlich am Set ist und unglaublich professionell arbeitet. David Fincher ist etwas sehr Besonderes. Nach meiner Erfahrung können Regisseure zweierlei sein: Entweder verstehen sie sehr viel von Technik, sind darauf total fixiert, und haben Schwierigkeiten mit dem emotionalen Teil des künstlerischen Prozess. Oder umgekehrt. Fincher ist die seltene Ausnahme. Er kann beides. Er ist phänomenal, denkt sehr visuell und er hatte zwar ein sehr großes Budget, aber am Set wurde keine Sekunde verschwendet. Interview: Rüdiger Suchsland Textrechte: ©Presse Tele 5, Verwertung honorarfrei nur bei Programmhinweis auf Tele 5. Wir lieben Kino. Tele 5. Der Spielfilmsender Pressekontakt: Tele 5 Pressekontakt: Michaela Simon, Jochem Becker Tel. 089-649568-175, -176, Fax. -119, E-Mail: presse@tele5.de Original-Content von: Tele 5, übermittelt durch news aktuell

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