Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen (LBS)

Abwärtstrend im Wohnungsbau setzt sich auch 2002 fort
LBS-Analyse: Baugenehmigungen sinken unter die 300.000-Marke - Zinsen und Preise weiterhin niedrig

    Berlin (ots) - Erstmals seit der Wiedervereinigung fällt in diesem
Jahr die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen unter die Marke von
300.000. Der inzwischen seit sieben Jahren anhaltende Abwärtstrend
ist nach einer Analyse der Landesbausparkassen damit aber noch nicht
zu Ende. Nach 290.000 Genehmigungen im laufenden Jahr rechnen die
Immobilienmarkt-Experten für das Jahr 2002 mit einem weiteren
Rückgang um gut 10 Prozent auf 260.000 Wohneinheiten. Ähnlich wie in
den 80er Jahren, als ein zu starker Einbruch im westdeutschen
Wohnungsbau eine jahrelange Wohnungsnot-Debatte auslöste, sei es auch
in der jetzigen Situation nur eine Frage der Zeit, bis es zu
Engpässen kommt, sagte LBS-Verbandsdirektor Dr. Hartwig Hamm heute
vor der Presse in Berlin. Lediglich die aktuelle Wirtschaftsschwäche
halte die Nachfrage noch niedrig und gebe dem Wohnungsmarkt  eine
kurze Verschnaufpause.
    
    Nach Einschätzung aller Fachleute hat die Bundesrepublik
mindestens bis 2010 einen jährlichen Neubau-Bedarf von 350.000 bis
400.000 Wohneinheiten. Die aktuellen Baugenehmigungszahlen zeigen, so
der LBS-Verbandsdirektor, dass sich der Wohnungsbau immer weiter von
dieser "Normallinie" entfernt. Im laufenden Jahr dürften in
Westdeutschland nur rund 240.000 Baugenehmigungen registriert werden,
ein Minus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und zugleich das
schlechteste Ergebnis seit 1988. Ostdeutschland muss mit 50.000
Baugenehmigungen sogar einen weiteren Rückgang um über 20 Prozent
hinnehmen.
    
    Zu dieser Entwicklung trägt überwiegend der Einbruch beim
Mehrfamilienhausbau bei. Allerdings, so Hamm weiter, ist von der
Abwärtsspirale nun eindeutig auch der letzte verbliebene
Hoffnungsträger im Wohnungsbau erfasst: der Einfamilienhausbau. Mit
110.000 Objekten werden in diesem Jahr nur noch wenig mehr
Genehmigungen erteilt als Mitte der 90er Jahre, vor Beginn des
Eigenheim-Booms.
    
    Für 2002 rechnen die Immobilien-Experten noch mit keiner
Besserung. Das LBS-Immobilienbarometer, ein Prognoseinstrument der
Landesbausparkassen auf Basis einer Befragung von rund 600
Marktteilnehmern, signalisiert weder im Eigenheim- noch im
Geschosswohnungs-Sektor eine durchgreifende Wende, so Hamm.  Das
Genehmigungsresultat bei Einfamilienhäusern sinkt laut LBS-Prognose
in Westdeutschland auf 100.000 Objekte. In Ostdeutschland kommen nur
noch 25.000 Einfamilienhäuser in die konkrete Planung, nach 27.000 im
laufenden Jahr. Im Mehrfamilienhausbau halten sich die Investoren
noch mehr zurück. Für 2002 gehen die Experten von einem weiteren
Rückgang der Genehmigungen aus. Und zwar von 83.000 (West: 73.000,
Ost: 10.000) in 2001 auf dann 74.000 Wohnungen (West: 65.000, Ost:
9.000).
    
    Der Schwerpunkt der Wohnungsbautätigkeit liegt damit eindeutig bei
den Eigenheimen. Dies, so Hamm, sei keine zufällige Momentaufnahme,
sondern gibt die Struktur wieder, wie sie auch künftig vorherrschen
wird. Ein Großteil der Nachfrage werde sich - so auch die Meinung des
Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung - auf den Ein- und
Zweifamilienhausbau konzentrieren. Hier habe die Bundesrepublik den
stärksten Nachholbedarf. Die nachrückenden Generationen bevorzugen
das ebenerdige Wohnen, finden aber kein ausreichendes Angebot vor.
    
    Zur weiteren Marktentwicklung sagte Hamm, angesichts des niedrigen
Genehmigungsniveaus stelle sich nicht die Frage, ob die Bautätigkeit
wieder anspringt, sondern nur noch, wann sie es tut. Es sei eine alte
Erfahrung, dass mit steigenden Einkommen und wachsender Beschäftigung
die Nachfrage nach größeren Wohnflächen und qualitativ besserem
Wohnen zunimmt. Auch die übrigen Rahmenbedingungen seien
ausgesprochen günstig: Sowohl Zinsen als auch Baupreise bewegen sich
auf niedrigem Niveau. Die aktuelle Konjunkturschwäche könne den Markt
deshalb allenfalls vorübergehend ruhig halten. Doch diese Ruhe sei
trügerisch. Sind neue Knappheiten mit den üblichen
Begleiterscheinungen wie schmerzliche Preis- und Mietsteigerungen und
Warteschlangen von Wohnungssuchenden erst einmal da, dauere es immer
mehrere Jahre, bis das Angebot wieder ausgeweitet werden kann.
    
    
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