AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Schlüssel zur globalisierten Wirtschaft

Berlin/Hamburg (ots) -

   Ausbildungsexperten haben in Berlin über Austauschprogramme für
   Real- und Hauptschüler diskutiert. Ergebnis: Beim Auslandsjahr
   würden diese nicht nur eine Fremdsprache lernen, sondern auch ihre
   kommunikativen Kompetenzen verbessern. Auf diese Weise erhöhen sie
   ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 

Thomas Wagner, Ausbildungsleiter der Adolf Würth GmbH & Co. KG, hat eine klare Vorstellung von Auszubildenden bei dem Weltkonzern für Befestigungstechnologie: "Auslandserfahrungen werden als wichtige Unterscheidungskriterien herangezogen", sagt Wagner. Der Würth-Ausbildungsleiter diskutierte am 9. Oktober im Haus der Kulturen der Welt in Berlin mit weiteren Experten über Wege, die beruflichen Chancen von Schülern zu stärken. In einem Punkt waren sich die Fachleute dabei einig: Wer als Austauschschüler ein Schuljahr im Ausland verbracht hat, verbessert seine Aussichten auf eine Lehrstelle.

Zu dem Gespräch eingeladen hatte der gemeinnützige Verein AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Geschäftsführer Mick Petersmann sprach außer mit Würth-Ausbildungsleiter Wagner auch mit dem Berliner Pädagogen und ehemaligen Hauptschullehrer Carlo Nordloh, mit Detlef Wulff, stellvertretender Landesvorsitzender beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Berlin sowie mit dem Universitätsprofessor und Interkulturellem Erziehungswissenschaftler Gerd R. Hoff von der Freien Universität Berlin. Peter Ackermann, Gründer der Kreuzberger Kinderstiftung, stellte das erste AFS-Stipendium für Realschüler vor: "Durch das Erleben einer anderen Kultur werden Schüler selbstbewusster, offener und trauen sich mehr zu", sagt Peter Ackermann. "So verbessern sich die Berufschancen der Schüler erheblich."

In einer exklusiven, internationalen Studie hat AFS diesen Zusammenhang erstmals auch belegt. Nicht nur dass 85 Prozent der ehemaligen AFS-Austauschschüler eine Fremdsprache fließend sprechen, während es bei den Daheimgebliebenen nur 50 Prozent sind. 33 Prozent der Programmteilnehmer haben auch ausländische Freunde, im Gegensatz zur Vergleichsgruppe mit 23 Prozent. Fazit der Studie: Reisen bildet, und ein Schüleraustausch macht offener für fremde Kulturen. "Ich bin jetzt viel selbständiger und verantwortungsbewusster", bestätigt die 19-jährige Bina Panhans aus Havelberg, die nach dem Realschulabschluss ein AFS-Jahr in Paraguay absolviert hat. Sie habe dort gelernt, sich um viele Sachen selbst zu kümmern, wie Wäsche zu waschen, den Tag zu organisieren, die Sprache zu lernen und mit Geld umzugehen.

Solche Fähigkeiten sind vor allem in kaufmännischen Berufen gefragt. Eine aktuelle Studie der Öffentlichen Versicherung Braunschweig zeigt, dass die Personalverantwortlichen von Finanzdienstleistern heute auf Kommunikationsfähigkeit und Sprachkompetenz genauso viel Wert legen wie auf Allgemeinbildung und gute Noten. "Es ist auch äußerst schwierig für deutsche Firmen, in China, Indien oder Osteuropa gute technische oder gewerbliche Fachkräfte zu finden", ergänzt Thomas Wagner. "Es wird sehr interessant werden, wenn zum Beispiel Mechatroniker in diese Länder gehen, um Aufbauarbeit zu leisten - das sind Berufe, die meist von Haupt- und Realschülern erlernt werden." Realschüler, die das Austauschjahr in der Regel nach dem Schulabschluss einlegen, können diese Phase nutzen, um sich zu orientieren und zu entscheiden, wie es für sie beruflich oder auch schulisch weitergehen soll. Die ehemalige AFS-Programmteilnehmerin Bina Panhans hat nach den Erfolgserlebnissen in Paraguay eine Ausbildung zur Ergotherapeutin begonnen; ein Beruf, in dem gute Selbsteinschätzung und Menschenkenntnis gefragt sind - genau das hat Bina in Paraguay gelernt.

Haupt- und Realschüler sind laut Universitätsprofessor Hoff genauso gut für einen Austausch geeignet wie Gymnasialschüler. Sie nehmen zwar immer wieder an Austauschprogrammen teil, sind aber noch deutlich in der Minderheit. "Es sind viel zu wenige", sagt der Berliner Pädagoge Carlo Nordloh. "Mir ist aus meiner Schulerfahrung nur ein einziger Realschüler bekannt, der an einem Langzeitschüleraustausch teilgenommen hat."

Dabei können sich 64 Prozent der Realschüler vorstellen, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Das hat eine von AFS in Auftrag gegebene forsa-Umfrage ergeben. Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielfältig: "Viele Jugendliche denken, ihre Noten beziehungsweise Sprachkenntnisse seien nicht ausreichend", sagt AFS-Geschäftsführer Mick Petersmann. "Die Schüler sorgen sich außerdem, dass sie ihre Familie vermissen und ihre Freunde aus den Augen verlieren könnten. Unser Ziel ist es daher, ehemalige Teilnehmer an die Realschulen zu schicken, damit sie im Gespräch andere Realschüler motivieren." Carlo Nordloh ergänzt: "Es ist wichtig, auch die Eltern von Realschülern zu erreichen, denn gerade bei ihnen erfordert es viel Mut zuzulassen, dass sich das eigene Kind fern der Eltern weiterentwickelt".

Also müssen mehr Realschüler das Auslandsjahr für sich entdecken. "Wichtig sind motivierte Lehrer, die immer wieder für das Programm werben und auch mit den Schülern über ihre Ängste sprechen", sagt Detlef Wulff vom VBE. AFS-Geschäftsführer Petersmann fordert Anerkennungsmöglichkeiten für Real- und Hauptschüler, die nach ihrem Schulabschluss eine weiterführende Schule besuchen: "Grundsätzlich möchten wir, dass der Auslandsaufenthalt sogar in die Schullaufbahn integriert wird."

Über AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Die deutsche Jugendaustauschorganisation arbeitet gemeinnützig und ist Träger der freien Jugendhilfe. Die Zentrale sowie ein Regionalbüro haben ihren Sitz in Hamburg; in Berlin, Wiesbaden und Stuttgart gibt es weitere Regionalbüros. Neben dem Schüleraustausch ermöglicht AFS die Teilnahme an Freiwilligendiensten im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich. Der Verein finanziert sich aus den Teilnahme- und Vereinsbeiträgen, durch Spenden, Stiftungsmittel und öffentliche Gelder. In diesem Jahr feiert AFS in Deutschland unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen 60-jähriges Jubiläum mit zahlreichen lokalen und überregionalen Aktivitäten.

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E-Mail: Christopher.Stolzenberg@afs.org
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