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Oliver Bierhoff: "Mailand lebt das Derby, ein Tor wäre riesig für mich!"
Der Nationalmannschaftskapitän will 2002 zurücktreten und rät Rehmer zu Italien

    München (ots) - Der AC Mailand empfängt am Sonntag, 7. Januar, in
der Serie A den Stadtrivalen Inter Mailand. PREMIERE WORLD überträgt
das 248. Mailänder Derby aus dem Giuseppe Mezza-Stadion live und im
Zweikanalton ab 20.25 Uhr. Oliver Bierhoff, Kapitän der deutschen
Nationalmannschaft und Angreifer des AC Mailand, nahm im PREMIERE
WORLD-Interview Stellung zum Fußball in Italien und Deutschland, der
Nationalmannschaft und einem möglichen Wechsel von Marko Rehmer in
die Serie A.
    
    Freuen Sie sich schon auf das Derby am kommenden Sonntag gegen
Inter Mailand?
    
    Oliver Bierhoff: "Natürlich. Das Derby ist in Mailand etwas ganz
Besonderes, da die Menschen schon in Vereinsfarben geboren werden.
Die Stadt Mailand lebt das Derby! Ein Tor am Sonntag gegen Inter wäre
riesig für mich!"
    
    Wo hat Inter seine Stärken, was sind die Schwächen Ihres
Stadtrivalen?
    
    Oliver Bierhoff: "Inter hat es in den letzten Jahren nie
geschafft, sich zu einer absoluten Spitzenmannschaft zu entwickeln,
obwohl sie immer exzellente Einzelspieler haben und hatten. Momentan
ist Recoba gut drauf, Vieri ist auch in Form. Beide sind Spieler, die
eine Partie entscheiden können. Im Mittelfeld ist besonders Di
Biaggio durch Weitschüsse gefährlich. Insgesamt hat Inter durch den
neuen Trainer Tardelli mehr Biss bekommen. Die Mannschaft wirkt aber
manchmal zusammenhangslos, als ob jeder nur seinen Stiefel runter
spielt. Das kann am Sonntag ein Vorteil für uns sein."
    
    Inter Mailand und Juve sind an Marko Rehmer interessiert. Ist Ihr
Nationalmannschafts-kollege ein Mann für die Serie A?
    
    Oliver Bierhoff: "Auf jeden Fall! Ich habe ihn auch schon Milan
empfohlen, da man immer gute Verteidiger braucht. Aus der
Nationalmannschaft kenne ich ihn als einen sehr schnellen, sehr
zweikampfstarken Verteidiger. Der Schritt in die Serie a würde ihm
sicherlich sehr gut tun, denn der technisch und taktisch starke
Fußball in Italien hilft jedem Spieler, sich weiter zu entwickeln."
    
    In der Serie A belegt der AC Mailand nur Rang 7. Was fehlt der
Mannschaft momentan, um wieder auf die Toppositionen zu kommen?
    
    Oliver Bierhoff: "Mit der ersten Saisonhälfte müssen wir nicht
unzufrieden sein, denn wir sind in allen drei Wettbewerben, Serie A,
italienischer Pokal und UEFA Champions League, noch vertreten. Was
uns bisher gefehlt hat, war die Kontinuität. Außerdem haben wir gegen
die sogenannten kleinen Mannschaften zu viele Punkte verloren."
    
    Sie spielen beim AC Mailand nicht immer von Beginn. Was müsste
Trainer Zaccheroni am Spiel der Mannschaft ändern, damit Sie besser
zur Geltung kommen?
    
    Oliver Bierhoff: "In der Meisterschaft war ich nur bei drei
Spielen nicht von Anfang an dabei. Zwei Partien habe ich pausiert,
bei der dritten hatte ich eine Darmgrippe und bin später
eingewechselt worden. Bisher bin ich zufrieden, dass ich so viel
gespielt habe. Sicherlich haben wir am Anfang der Saison ein Spiel
gespielt, dass mir nicht besonders entgegenkommt. Wichtig ist, dass
wir in Zukunft das Flügelspiel forcieren. Gerade bei Heimspielen
gegen kleinere Mannschaften, die hinten dicht machen, können wir
meine Kopfballstärke noch besser ausnutzen. Näturlich vermissen der
Trainer und der Sturm zwei spielstarke Spieler wie Albertini und
Redondo, die beide verletzt sind."
    
    Im Dezember wurden sie zitiert: "Früher war ich ein Spieler, der
Spiele entscheiden konnte. Heute bin ich das nicht mehr." Das hört
sich nicht sehr zufrieden an.
    
    Oliver Bierhoff: "So etwas ärgert mich, denn das habe ich nie
gesagt. Ich habe gesagt, dass es immer mein Ziel ist, entscheidende
Tore zu schießen. Die habe ich in der letzten Zeit nicht geschossen,
deshalb war ich auch ein bisschen unzufrieden mit mir. Ich bin aber
fest überzeugt, dass ich das wieder schaffen werde."
    
    Wie sehen Sie das Niveau der Bundesliga im Vergleich mit den
anderen europäischen Ligen?
    
    Oliver Bierhoff: "Mit Bayern München hat die Bundesliga einen
absoluten internationalen Topverein. Von der qualitativen Dichte kann
sich die Bundesliga aber mit den Ligen in Italien, Spanien und
England nicht messen. Das hat man jetzt auch im UEFA Cup gesehen.
Wenn drei deutsche Mannschaften jeweils gegen italienische
ausscheiden, dann zeigt das, welche Klasse die italienische Liga
besitzt und in welcher schweren Liga ich spiele. Wenn man von allen
Nationalmannschaften die Topspieler nimmt, dann spielen 60 Prozent in
Italien, 20 Prozent in Spanien und noch ein paar in England.
Internationale Topstars sind in Deutschland schwerer zu finden."
    
    Könnten Sie sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen?
    
    Oliver Bierhoff: "Vorstellen kann man sich im Fußball alles, aber
mein Vertrag läuft noch bis 2002. Bis dahin möchte ich auf jeden Fall
beim AC Mailand bleiben. Vielleicht spiele ich dann noch ein Jahr
irgendwo, aber die Bundesliga kann ich mir weniger vorstellen."
    
    Thema Nationalmannschaft: Wie stehen die Chancen für die
WM-Qualifikation?
    
    Oliver Bierhoff: "Die stehen sehr gut, nicht zuletzt durch den
Auswärtssieg in England. Aber wir werden in Griechenland und zu Hause
gegen England noch schwere Spiele haben. Die Nationalmannschaft hat
sich allerdings dank Rudi Völler und Michael Skibbe nach der
Europameisterschaft sehr gut erholt."
    
    Werden wir Oliver Bierhoff auch über die WM 2002 im Nationaldreß
sehen?
    
    Oliver Bierhoff: "Das kann ich mir nur schwer vorstellen! 2002
werde ich 34 Jahre alt und es ist mein Ziel, dann mit der
Nationalmannschaft aufzuhören. Eine erfolgreiche WM wäre ein schöner
Abschluss."
    
    Alvaro Recoba von Inter Mailand ist seit kurzem der bestbezahlte
Spieler der Welt und soll über 14 Millionen Mark im Jahr verdienen.
Kann sich so ein Gehalt für einen Fußballverein überhaupt noch
rentieren?
    
    Oliver Bierhoff: "Manchmal fragt man sich, ob das mit den Vereinen
und Gehältern weiter gut geht oder ob das irgendwann wie eine
Seifenblase zerplatzt. Andererseits sind auch die Fernseheinnahmen
sehr stark gestiegen. Solche Summen können nur gezahlt werden, wenn
hinter dem Verein ein Mäzen steht, wie man das in Italien häufig
findet. Bei Inter ist zum Beispiel der Ölmagnat Moratti Präsident,
der nicht auf die ein oder andere Mark achten muss."
    
    Am Mittwoch wurde mit Ibrahim Tanko der achte Dopingfall in der
Bundesliga-Geschichte bekannt. Verleitet der zunehmende
Leistungsdruck die Spieler, unerlaubte Substanzen zu sich zu nehmen?
    
    Oliver Bierhoff: "Für mich kommt das immer überraschend. In all
den Jahren habe ich nie an Doping gedacht oder jemanden gesehen, der
solche Mittel genommen hat. Es besteht natürlich die Gefahr, dass ein
Spieler, der dem Druck nicht stand halten kann, zu unerlaubten
Substanzen greift. An sich müsste der Fußball gegenüber anderen
Sportarten sehr sauber sein."
    
    Der Mannschaftskapitän des FC Bayern, Stefan Effenberg, hat bei
der Weihnachtsfeier des Vereins in seiner Rede Präsident Franz
Beckenbauer kritisiert. Ist so etwas in Italien denkbar?
    
    Oliver Bierhoff: "Nein, so etwas habe ich in Italien noch nicht
erlebt. In Italien wird sich praktisch niemand öffentlich Kritik
gegen den Verein oder andere Spieler erlauben. Die Italiener gehen
sehr respektvoll miteinander um, und ein Klub würde sofort dagegen
einschreiten. In Italien schlägt ein Präsident zum Teil wie ein
Patriarch dazwischen."
    
    
ots Originaltext: PREMIERE WORLD
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