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Deutsche Automobilindustrie in Genf: Zuversicht, spannende Weltpremieren und Rückenwind durch die gute Konjunktur in Europa

Deutsche Automobilindustrie in Genf: Zuversicht, spannende Weltpremieren und Rückenwind durch die gute Konjunktur in Europa
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Länge: 04:55 Minuten

Genf (ots) - VDA erwartet nach starkem Januar mit einem Zuwachs von sechs Prozent im Gesamtjahr 2016 ein Plus EXKLUSIV-INTERVIEW MIT VDA-PRÄSIDENT MATTHIAS WISSMANN

Anmoderation:

In Genf hat heute (Dienstag, 01.03.2016) der Genfer Autosalon begonnen und die deutsche Automobilindustrie blickt mit viel Zuversicht auf die Messetage in der Schweiz. Seit dem frühen Morgen jagt eine Pressekonferenz die nächste mit spannenden Weltpremieren der deutschen Hersteller. Außerdem sorgt die gute Konjunktur in Europa für Rückenwind. Die Konsumbereitschaft wird unterstützt durch das niedrige Zinsniveau, steigende Realeinkommen und Beschäftigung, sowie günstige Spritpreise. Für VDA-Präsident Matthias Wissmann sind das gute Vorzeichen für einen perfekten Start in den Autofrühling und für das Gesamtjahr 2016. Wir haben uns in Genf mit Matthias Wissmann unterhalten.

1. Frage: Herr Wissmann, der Automobilsalon in Genf gilt als erster wichtiger Indikator für das neue Automobiljahr. Wie ist die Stimmung gerade bei den deutschen Herstellern?

Genf gilt ja traditionell als Autofrühling, vom Datum wie vom Ort her. Und man muss mit Zuversicht sagen, dass Januar und Februar im europäischen Markt bei den Autoverkäufen in ganz Westeuropa frühlingshafte Zuwachszahlen gezeigt haben, so dass wir hoffen, dass das im 2016 so weitergehrt im europäischen Markt, der zunehmend ein Träger der Weltkonjunktur im Automarkt wird. Daneben läuft der amerikanische Markt stabil - über 17 Millionen verkaufte Fahrzeuge werden dort 2016 erwartet. Die Überraschung der Januar- und Februarzahlen, die wir bisher haben ist, dass der chinesische Markt besser läuft als manche sorgenvoll gemeint haben, übrigens mit Zuwächsen auch von uns Deutschen auf dem dortigen Markt. Und dann gibt es natürlich neben diesen Lichtseiten auch Schattenseiten: Der russische Markt ist schwierig, der brasilianische Markt ist sehr schwierig. Trotzdem glaube ich, die Weltkonjunktur 2016 für Automobile wird alles in allem vermutlich auf 80 Millionen verkaufte Fahrzeuge anwachsen, von 78 Millionen im Jahr 2015. (1:16)

2. Frage: Auch in Genf spielt natürlich das Thema Diesel eine große Rolle. Was ist die Botschaft des VDA zu diesem Thema auf dieser Messe?

Das Jahr 2016 steht im Zeichen der neuesten Dieselgeneration Euro VI. Und der hat, was seine Effizienz angeht in Sachen Verbrauch und in Sachen Reduzierung von CO2 tolle Werte. Er liegt im Schnitt einfach um zehn, fünfzehn Prozent besser als der Benziner wenn es um CO2 geht, also das große Klimaschutzthema. Und auf der anderen Seite wird über die Abgasnachbehandlung ein weiterer erheblicher Fortschritt bei der Reduzierung von Stickoxyden erreicht. Kein Feinstaub mehr, so dass man sagen kann: Strategisch ist der Euro VI-Diesel für die Umweltdiskussion der nächsten Jahre die richtige Antwort und auch die richtige Brückentechnologie auf dem Weg zur Elektromobilität. (0:56)

3. Frage: Warum braucht gerade die deutsche Automobilindustrie den Diesel und inwiefern ist dieser Treibstoff wichtig für die Konjunktur?

Klar ist, im westeuropäischen Markt ist der Anteil des Diesel am Gesamtmarkt bei knapp 50 Prozent, in Frankreich bei 55, 56 Prozent sogar. Würden wir hier wesentliche Veränderungen erleben, zu Lasten des Diesel, dann wäre das keine gute Nachricht für den Klimaschutz, denn wir müssen einfach wissen, dass, so gut der effiziente Benziner ist, er nicht die gleichen CO2-Werte wie der Diesel erreicht. (0:28)

4. Frage: Sie haben das Thema Elektromobilität angesprochen. Sie haben sicher Signale aus dem Kanzleramt. Was tut sich von Seiten der Politik, was die Förderung der Elektromobilität betrifft?

Ich glaube die Bundesregierung weiß, auch die Bundeskanzlerin selbst fühlt sich dem verpflichtet, dass die Anstrengungen für die Elektromobilität fortgesetzt werden müssen. In den letzten fünf Jahren lagen sie seitens des Bundes im Wesentlichen auf Forschungsfragen und wir haben als Autoindustrie natürlich weit mehr investiert, als eine Regierung investieren sollte. Wir haben 14 Milliarden investiert, die öffentliche Hand vielleicht eine Milliarde im Bereich Forschung und Entwicklung, und jetzt geht es um die Frage des Markthochlaufs. Da muss an zwei Themen hart gearbeitet werden: Das eine ist Aufbau einer bundesweiten, leistungsfähigen Ladeinfrastruktur, wir haben bisher rund 6.000 Ladesäulen, wir brauchen bis 2018 sicher 20 bis 30.000 Ladesäulen. Hier ist ohne den Einsatz der öffentlichen Hand kein mittel- und langfristiges Infrastrukturprogramm denkbar, und das zweite ist dann, dass die Regierung jetzt hoffentlich bald entscheidet, ob sie sich direkte oder indirekte oder steuerliche Impulse für die Förderung des Markthochlaufs vorstellen kann. Wenn das Ziel, eine Million Elektroautos um die Jahrzehntwende zu erreichen, noch in Sichtweite bleiben soll, dann muss die Regierung diese Entscheidung bald treffen. (1:20)

5. Frage: Die deutsche Automobilindustrie scheint jedenfalls gerüstete, wer hier in Genf über die Stände geht findet bei den deutschen Herstellern überall Elektrofahrzeuge...

Ja es ist nicht unser Votum, sondern es ist das Votum von McKinsey mit seinem Electric Vehicle Index, die gesagt haben, wir sind inzwischen, nachdem wir das vor fünf, sechs Jahren nicht waren, zu einem der weltweiten Leitanbietern geworden, also mit den besten Elektroautos auf der Welt. Wir haben jetzt 30 Modelle im Angebot, reine Elektroautos und Plug-In-Hybride, also Hybride, die auch an der Stromtankstelle aufladbar sind und rein elektrisch 30, 40, 50 Kilometer Reichweite haben. Insofern liegt es jetzt nicht mehr am Angebot, sondern es liegt an den Rahmenbedingungen für den Markthochlauf, ob auch Deutschland, wie andere Länder, ein Leitmarkt werden kann. (0:41)

Abmoderation:

VDA-Präsident Matthias Wissmann im Exklusivinterview zum Start des Automobilsalons in Genf. Er rechnet nach einem Plus von 6 Prozent im Januar auch für das Gesamtjahr 2016 mit einem Absatzzuwachs für die deutsche Automobilindustrie.

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