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DESTATIS: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung veröffentlicht heute sein Jahresgutachten 2001/02

Wiesbaden (ots)

Sachverständigenrat zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung veröffentlicht heute sein Jahresgutachten 2001/02.
Mit dem Titel "Für Stetigkeit - gegen Aktionismus" soll die 
Bedeutung  einer konsistenten und langfristigen 
wirtschaftspolitischen  Konzeption auch in der derzeitigen Phase 
konjunktureller Schwäche  unterstrichen werden. Eine auf den 
kurzfristigen Erfolg ausgerichtete  aktivistische Konjunkturpolitik, 
wie sie beispielsweise zusätzliche  staatliche Ausgabenprogramme, 
jedoch auch das Vorziehen der nächsten  Stufe der Steuerreform 
darstellen, birgt Gefahren in der Zukunft, die  die unmittelbar 
positiven, aber unsicheren Wirkungen überkompensieren  können. Bei 
dadurch wieder anschwellenden Haushaltsdefiziten würde  die mühsam 
gewonnene Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeit in der  Finanzpolitik 
beschädigt.
Die konjunkturelle Lage hat sich in diesem Jahr weltweit  
verschlechtert: Gleich alle drei großen Wirtschaftsräume - 
Vereinigte  Staaten, Europäische Union und Japan - befinden sich in 
einer  kritischen Lage. Vor dem Hintergrund dieses 
weltwirtschaftlichen  Umfelds und eines kräftigen Kaufkraftentzugs 
durch den Anstieg der  Energie- und Nahrungsmittelpreise nimmt das 
reale deutsche  Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um lediglich 0,6 
vH zu. Nach  Einschätzung des Sachverständigenrates ist die 
wahrscheinlichste  Entwicklung im Jahre 2002, dass sich die 
außenwirtschaftliche Lage  aufhellt und vorhandene positive 
binnenwirtschaftliche  Rahmenbedingungen wieder Wirkung entfalten. 
Die Produktion wird im  Jahresverlauf an Fahrt gewinnen, allerdings 
insgesamt nur verhalten  um 0,7 vH zunehmen. Die Konjunkturschwäche 
führt zu einer weiteren  Verschärfung der prekären Lage auf dem 
Arbeitsmarkt; im  Jahresdurchschnitt 2002 werden knapp 4 Millionen 
Personen arbeitslos  sein.
Die Prognoserisiken in diesem Jahr sind angesichts der 
Unwägbarkeiten  bezüglich der Wirtschaftsaussichten in den 
Vereinigten Staaten nach  den Terroranschlägen und des militärischen 
Konflikts in Afghanistan  besonders ausgeprägt. Der 
Sachverständigenrat hat deshalb ergänzend  zu seiner Basisprognose 
die Auswirkungen eines möglichen, aber  unwahrscheinlichen leichten 
Rückgangs der Wirtschaftsentwicklung in  den Vereinigten Staaten auf 
die deutsche Konjunktur abgeschätzt.  Unter dieser Annahme schrumpft 
die wirtschaftliche Aktivität in  Deutschland zwar leicht, dennoch 
kommt es zu keinem dramatischen  Einbruch, der den im 
Konjunkturverlauf üblichen Umfang überschreitet  und aktive 
konjunkturstützende Maßnahmen erfordern würde.
Gerade in dem derzeitigen Umfeld erhöhten Risikos und vermehrten  
Strukturanpassungsbedarfs können sich die verpassten Reformchancen  
rächen, wenn die deutsche Volkswirtschaft nicht die nötige  
Flexibilität aufweist, um rasch und reibungslos exogene Störungen zu 
 verarbeiten. Und gerade in der derzeitigen labilen wirtschaftliche  
Lage stellt das Angehen von notwendigen Strukturreformen eine Chance 
 dar, die wirtschaftlichen Perspektiven zu stabilisieren. Aufgabe 
des  Staates ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass 
Anreize  für Wagnisbereitschaft, Leistung und Lernen gesetzt werden. 
Der  Sachverständigenrat diskutiert in seinem Jahresgutachten für 
die  einzelnen Politikbereiche Elemente einer solchen 
marktwirtschaftlich  ausgerichteten, wachstumspolitischen 
Konzeption.
Die hohe und steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland ist 
weiterhin 
 die gravierendste Zielverfehlung der Wirtschaftspolitik. Ohne  
weitergehende Reformen der Arbeitsmarktordnung wird sich die Lage 
auf  dem Arbeitsmarkt nicht nachhaltig bessern, gemessen am  
Flexibilisierungsbedarf des Arbeitsmarkts ist von Seiten der Politik 
 auch in diesem Jahr zu wenig geschehen. Der Sachverständigenrat 
setzt  sich mit Ansatzpunkten für eine beschäftigungsfördernde 
Ausrichtung  der Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt auseinander. 
Hierzu  gehören eine flexiblere Ausgestaltung der Tarifverträge und 
des  Arbeitsrechts. Ein Schritt in diese Richtung wäre 
beispielsweise,  abweichende Betriebsvereinbarungen von 
üblicherweise im Tarifvertrag  geregelten Arbeitsbedingungen in 
nicht tarifgebundenen Unternehmen  zuzulassen; die diesbezügliche 
Sperrwirkung des §77 Absatz 3  Betriebsverfassungsgesetz sollte zur 
Disposition gestellt werden.
Die Geldpolitik war auch in diesem Jahr ein wichtiger Aktivposten 
der  wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Gleichwohl steht die  
Europäische Zentralbank weiterhin wegen ihrer Kommunikationspolitik  
in der Kritik; der Sachverständigenrat diskutiert daher Ansätze, die 
 Zwei-Säulen-Strategie konsistent zu vermitteln.
In der Finanzpolitik wurde mit der Steuerreform und einer 
glaubhaften  Haushaltskonsolidierung der richtige Weg eingeschlagen. 
Der  Konsolidierungskurs muss fortgesetzt werden, um eine auf Dauer  
tragbare Finanzlage der öffentlichen Hand zu gewährleisten. In der  
derzeitigen konjunkturellen Lage tut die Finanzpolitik gut daran, 
die  automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen. Auf keinen Fall 
darf  am Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt gerüttelt 
werden, die  Defizitgrenze von 3 vH in Relation zum nominalen 
Bruttoinlandsprodukt  sollte eingehalten werden. Der 
Sachverständigenrat hält die Reform  der Gewerbesteuer für die 
dringlichste steuerpolitische Aufgabe der  nächsten 
Legislaturperiode und legt Reformvorschläge dar.
In der Agrarpolitik besteht nach wie vor erheblicher 
Handlungsbedarf,  vor allem vor dem Hintergrund der 
EU-Osterweiterung und den  WTO-Agrarverhandlungen. So wäre eine 
Einbeziehung der mittel- und  osteuropäischen Beitrittskandidaten in 
das System der Direktzahlungen  der Gemeinsamen Agrarpolitik ohne 
eine Reform schlichtweg nicht  finanzierbar. Der Sachverständigenrat 
stellt daher eine längerfristig  orientierte Reformstrategie der 
Direktzahlungen zur Diskussion. Die  erforderlichen Reformen sollten 
umgehend, also vor dem Vollzug der  EU-Osterweiterung, angepackt 
werden.
Herausgeber: Sachverständigenrat zur Begutachtung der  
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung     
Statistisches Bundesamt,  
Gustav-Stresemann-Ring 11, 65180 Wiesbaden 
Telefon: 0611/75-2390, 
Telefax: 0611/75-2538, 
E-Mail:  srw@destatis.de
Das Jahresgutachten 2001/02 ist auf den Internet-Seiten des
Sachverständigenrates verfügbar: www.sachverstaendigenrat.org In
gedruckter Form liegt das Jahresgutachten Ende November/Anfang
Dezember vor, zu beziehen ist es über den Buchhandel oder den Verlag 
Metzler-Poeschel (Auslieferung: SFG-Servicecenter Fachverlage GmbH, 
Postfach 4343, 72774 Reutlingen, E-mail:  StaBA@s-f-g.com).

Rückfragen an obigen Ansprechpartner oder an:

DESTATIS, Statistisches Bundesamt
Pressestelle
Telefon:(0611) 75-3444
Email:presse@destatis.de

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