Wissenschaftliches Institut der AOK

Hörgeräte sind teuer - ein Preisvergleich lohnt sich

    Bonn (ots) - Versicherte, die ein Hörgerät benötigen, sollten vor
dem Kauf unbedingt Preise vergleichen, denn sie müssen mit großen
Zuzahlungsunterschieden rechnen. Das zeigt eine Studie zu
Hörgeräteversorgung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).
Ein wesentliches Ergebnis: Die traditionelle Versorgung über den
Hörgeräteakustiker weist die höchste Zuzahlung und die größten
Zuzahlungsunterschiede auf, während die Direktversorgung über den
HNO-Arzt deutlich kostengünstiger für den Versicherten ist. Dabei
wurde der Hör- und Verstehensgewinn der zuzahlungsfrei abgegebenen
Geräten von Befragten nicht schlechter beurteilt.
    
    Alle Vertriebswege bieten dem Versicherten zuzahlungsfreie
Hörhilfen an, allerdings in unterschiedlichem Maße. Die Befragten,
die traditionell über den Akustiker versorgt worden sind, haben
lediglich in 15 % der Fälle zuzahlungsfreie Hörgeräte bekommen.
Dagegen ist der Anteil der Geräte zum "Nulltarif" in der
Direktversorgung wesentlich größer. Hier hat der
Versandhandelsanbieter rd. 50% der Geräte zuzahlungsfrei abgegeben,
der Online-Anbieter hat sogar über 80 % der Versorgungen ohne
Zuzahlung durchgeführt.
    
    Wenn zugezahlt wurde, haben die Befragten  pro Gerät beim
Hörgeräteakustiker durchschnittlich rd. 1.200 DM zugezahlt, in der
Direktversorgung über den behandelnden HNO-Arzt waren die Zuzahlungen
mit im Schnitt 360 DM wesentlich günstiger.
    
    Rund ein Drittel der Befragten hatte für ein Gerät beim
Hörgeräteakustiker mehr als 1.000 DM aus eigener Tasche aufbringen
müssen. Bei sechs Prozent der Versicherten belief sich die Zuzahlung
sogar auf mehr als 3.000 DM. Bei den Direktanbietern blieb die
finanzielle Belastung - wenn überhaupt zugezahlt wurde - unter 1.000
DM.
    
    Große Preisunterschiede waren  auch bei der Versorgung mit dem
selben  Gerätetyp festzustellen. Beispielsweise wurde das Gerät
Siemens Viva 703 laut WIdO-Studie vom Hörgeräteakustiker mit
Zuzahlungen zwischen 692 DM und 1215 DM abgegeben.
    
    Ein wesentlicher Grund für die teilweise massiven Zuzahlungen
dürfte in der flächendeckenden Marktpräsenz der traditionellen
Hörgeräteakustikerbetriebe liegen, die mit 2.400 Fachbetrieben rd. 90
% der Hörgerätversorgungen übernehmen. Ein Akustikerbetrieb verkauft
im Schnitt lediglich 0,87 Hörgeräte pro Arbeitstag.
    
    In der subjektiven Gesamtbewertung schneiden alle Hörgeräte
unabhängig von Technik oder Vertriebsform bei allen Befragten recht
hoch ab. Technisch unterschiedliche Geräte - die Hörhilfen der
Befragten sind sowohl mit analoger als auch mit digitaler Technik
ausgestattet gewesen - wiesen in der subjektiven Beurteilung nur
geringe Unterschiede auf. Größere Unterschiede finden sich beim
Preis, hier ist die Unzufriedenheit der Befragten mit dem hohen Preis
volldigitaler Hörgeräte am größten.
    
      Die Untersuchungsergebnisse zeigten, so Klaus Zok vom
Wissenschaftlichen Institut der AOK, dass die Möglichkeit einer
hochwertigen und zuzahlungsfreien Versorgung mit Hörgeräten bestehe.
Der Versicherte solle sich daher nach der Verordnung einer Hörhilfe
durch einen HNO-Arzt über die verschiedenen Versorgungsmöglichkeiten
informieren und die Preise vergleichen.
    
    Die Studie "Hörgeräte im Wettbewerb. Versorgungswege im
Vergleich." kann direkt beim Wissenschaftlichen Institut der AOK zum
Preis von 18 DM inkl. Versandkosten bezogen werden (Tel.:  
0228/843-131; Fax: 843-144).
    
    
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