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Rheinische Post: Kommentar
"Schreiben nach Hören" taugt nicht für NRW = Von Frank Vollmer

Düsseldorf (ots) - Gute Bildung beginnt - das ist nur scheinbar banal - mit gutem Unterricht. Guter Unterricht, gerade zu Beginn, gerade beim Lesen und Schreiben, ist eine Gratwanderung: hier kreativ machen lassen, dort Leitplanken setzen. Viele Erstklässler bringen eine überbordende Neugier auf Sprache mit. Diese Neugier nicht durch stumpfes Bimsen abzuwürgen, ist richtig. Aber ohne Regeln geht es nicht. Deshalb kann eine Methode wie "Schreiben nach Hören", vor 40 Jahren für Muttersprachler in der beschaulichen Schweiz entwickelt, im unübersichtlichen Nordrhein-Westfalen zum Problem, ja zur Gefahr werden. Die Chancen der ohnehin benachteiligten Migrantenkinder etwa steigen durch "Schreiben nach Hören" sicher nicht. Derzeit entscheiden Schulen und Lehrer, ob sie diese heikle Methode anwenden. Die Ministerin tut daher gut daran, deutliche Worte der Warnung zu finden; auch ein förmliches Verbot würde die Grundschulen nicht in die pädagogische Steinzeit zurückwerfen. Hilfreich wäre dafür allerdings zu wissen, wie viele Kinder überhaupt wie lange nach der Methode lernen. 2013 hat die FDP eine entsprechende Erhebung gefordert. Jetzt führt sie das Schulministerium - eine gute Zeit, sich an alte Wünsche zu erinnern.

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